Opposition  gegen  das  gleiche  Wahlrecht

Auch  diese  Erklärung  brachte  die  Sache  nicht  vorwärts.
Am  Iı.  Juni  wurde  das  gleiche  Wahlrecht  in  vierter  Lesung
abermals  abgelehnt;  und  zwar  war  dieses  Mal  die  Minderheit
  für  das  gleiche  Wahlrecht  noch  weiter  —  von  185  auf
164  Stimmen  —  zusammengeschmolzen.

Es  war  den  Männern  des  Kabinetts  Hertling  nıcht  gegeben,
  die  widerstrebenden  Parteien  und  Parteigruppen
davon  zu  überzeugen,  daß  das  einmal  auf  Grund  einer
feierlichen  Ankündigung  der  Krone  eingebrachte  gleiche
Wahlrecht  unter  keinen  Umständen  abgelehnt  werden
könne  und  daß  jede  Verzögerung  in  seiner  Annahme
die  ohnedies  schwierige  innere  Lage  noch  weiter  belasten
müsse,

Zu  alldem  kam  der  immer  schwerer  werdende  Druck  der
Knappheit  an  den  Gegenständen  des  dringendsten  Bedarfs
und  der  immer  krasser  zutagetretende  Unfug  des  Schleichhandels
  und  des  Preiswuchers.

Die  Agitation  der  Unabhängigen  Sozialdemokraten  fand
in  diesen  Verhältnissen  einen  günstigen  Boden.  Sie  nahm
nicht  nur  in  der  heimischen  Bevölkerung  überhand,  sondern
  griff  auch  mehr  und  mehr  auf  die  Armee  und  Marine
über.  Die  Regierung  hätte  durch  die  Vorkommnisse  in  der
Flotte  im  August  1917  gewarnt  sein  können.  Aber  sie  ließ
dıe  Dinge  gehen,  offenbar  nicht  nur  in  einer  Unterschätzung
der  tatsächlichen  Gefahr,  sondern  auch  weil  sie  die  Harmonie
  mit  den  Mehrheitsparteien  als  ein  politisches  Aktivum
  ansah,  das  nicht  durch  ein  scharfes  Zugreifen  auf

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