Die  Entscheidung

Grund  des  ohnedies  so  stark  angefochtenen  Belagerungszustandes
  gefährdet  werden  sollte.

Aber  auch  das  Ziel,  die  Mehrheitsparteien  zusammenzuhalten
  und  damit  den  Burgfrieden  ıuf  einer  neuen  Grundlage
  zu  sichern,  wurde  nicht  erreicht.  Die  Mehrheitssozialisten
  hatten  sich,  wie  ich  oben  dargestellt  habe,  trotz
ihrer  intensiven  Mitwirkung  bei  der  Bildung  des  ‚„Kabinetts
  Hertling““  freie  Hand  vorbelialten.  Von  dieser  freien
Hand  machten  sie  jetzt  Gebrauch.  Die  Konkurrenz  mit
ihren  „unabhängigen“  Brüdern  um  die  Seele  der  Massen
drängte  sie  erneut  in  die  Opposition.

Noch  vor  dem  Rücktritt  Kühlmanns  hielt  Herr  Scheidemann
  bei  der  dritten  Lesung  des  Reichsetats  am  3.  Juli
eine  Rede,  die  nur  als  eine  Absage  an  die  Regierung  Hertling-Payer
  aufgefaßt  werden  konnte.

Er  richtete  heftige  Beschwerden  gegen  die  Handhabung
der  Zensur  und  des  Belagerungszustandes;  der  Verfassungszustand,
  in  dem  wir  lebten,  sei  doch  nur  ‚‚der  militärische
Absolutismus,  gemildert  durch  die  Furcht  vor  dem  parlamentarischen
  Skandal“.  Das  darbende  Volk  fühle  sich
im  Zustand  der  allerbittersten  Not  und  Knechtschaft.
In  den  kritischsten  \Vochen  der  Volksernährung  erlebten  wir
das  Trauerspiel  der  preußischen  Wahlreform;  dieses  Zusanımentreffen
  nicht  durch  rechtzeitige  Auflösung  des  Abgeordnetenhauses
  verhindert  zu  haben,  sei  einer  der  schwersten
  Vorwürfe,  die  sich  gegen  die  Regierung  richteten.
„Einer  Regierung,  die  den  Belagerungszustand  nach  vier

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