Die  l.age  in  Rußland

die  Beobachtung  der  weiteren  Entwicklung  und  die
Wahrnehmung  der  deutschen  politischen  Interessen,  sondern
  auch  die  Sorge  für  die  möglichst  rasche  Zurückführung
  unserer  Kriegsgefangenen  und  Zivilinternierten,
für  die  Sammlung  und  den  Abtransport  der  ‚„Rückwanderer‘
  aus  den  zahlreichen  deutschen  Niederlassungen
in  Rußland,  schließlich  die  Sorge  für  die  Herstellung
guter,  für  Deutschland  wıe  für  Rußland  vorteilhafter
wirtschaftlicher  Beziehungen  und  die  Nutzbarmachung
der  \Warenbestände  und  Hilfsquellen  Rußlands  für  das
wirtschaftlich  schwer  kämpfende  Deutschland.

Die  Lage,  die  Graf  Mirbach  vorfand,  als  er  Ende  April
I9I8in  Moskau  eintraf,  waräußerstschwierig  und  verworren.

Die  Bolschewikiregierung  konnte,  wie  der  Ausfall  der
Wahlen  zu  der  Konstituierenden  Duma  gezeigt  hatte,  nur
auf  eine  bescheidene  Minderheit  der  russischen  Bevölkerung
—  auch  der  großrussischen  —  als  ıhre  unmittelbare  Anhängerschaft
  zählen.  Allerdings  leistete  ıhr  auch  die  Partei
der  „Linken  Sozialrevolutionäre‘“  zunächst  Gefolgschaft.
Aber  schon  in  der  Frage:  Annahme  oder  Ablehnung
des  Brester  Friedens?  war  es  zwischen  den  beiden  verbündeten
  Parteien  zu  Meinungsverschiedenheiten  gekommen,
die  sich  in  der  Folgezeit  verschärften.

An  Machtmitteln  standen  der  Sowjetregierung  zur  Verfügung
  vor  allem  eine  Anzahl  gut  disziplinierter  und
kampferprobter  lettischer  Regimenter;  die  sogenannte
„Rote  Garde‘  war  in  der  Hauptsache  noch  ein  bunt

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