Die  Entscheidung

pro  futuro  erschien  mir  geradezu  als  eine  Prämie  auf
die  radikale  und  überstürzte  Enteignung  der  in  Rußland
noch  vorhandenen  deutschen  Unternehmungen  und  Werte.

Bedenklich  erschienen  mir  aber  vor  allem  die  Bestimmungen
  über  die  endgültige  Lostrennung  Livlands  und
Estlands  vom  Russischen  Reich.

In  Verbindung  mit  der  Unabhängigkeitserklärung  Finnlands
  mußte  der  Verlust  von  Livland  und  Estland  das
Russische  Reich  bis  auf  den  schmalen,  im  Winter  nicht
schiffbaren  Zugang  bei  Petersburg  gänzlich  von  der  Ostsee
abschnüren.  Keine  Vereinbarung  über  freie  Durchfahrt
auf  den  baltischen  Eisenbahnen  und  über  freie  Benutzung
der  baltischen  Häfen  konnte  nach  meiner  Änsicht  das
künftige  Rußland,  einerlei  welche  Gestalt  es  annehmen
sollte,  diesen  Verlust  verschmerzen  lassen.  Mit  Naturnotwendigkeit
  hätte  das  künftige  Rußland  auf  die  Gebiete,
die  es  von  der  Ostsee  abriegelten,  und  auf  Deutschland,
das  diesen  Riegel  ın  der  Hand  hielt,  den  stärksten  Druck
ausüben  müssen.  Die  Herstellung  eines  guten  Verhältnisses
zu  dem  künftigen  Rußland,  die  durch  den  Brester  Frieden
schon  stark  erschwert  war,  mußte  durch  die  Lostrennung
von  Estland  und  Livland  geradezu  unmöglich  gemacht
werden.  Ich  konnte  eine  solche  Führung  unserer  Politik
nur  für  verhängnisvoll  halten.  Die  notwendige  Sicherung
der  deutschen  Bewohner  jener  Gebiete  und  ihrer  materiellen,
nationalen  und  kulturellen  Interessen  ließ  sich  nach  meiner
Ansicht  auch  auf  anderen  Wegen  erreichen.

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