Lostrennung  Livlands  und  Estlands

Bei  der  cinzigen  Besprechung  über  den  Inhalt  der
geplanten  Zusatzverträge,  die  ich  —  kurz  vor  meiner
Abreise  nach  Moskau  —  mit  dem  neuen  Staatssekretär
hatte,  gewann  ich  den  Eindruck,  daß  Herr  von  Hintze
in  diesem  wichtigen  Punkte  im  Grunde  seines  Herzens
der  gleichen  Meinung  sei  wie  ich,  und  daß  die  Angelegenheit
nur  auf  Wunsch  der  Obersten  Heeresleitung  betrieben
werde.  Da  alles  noch  im  Flusse  war,  brauchte  ich  die
Hoffnung  nicht  aufzugeben,  von  Moskau  aus  im  Sinne
meiner  Auffassung  einen  entscheidenden  Einfluß  auf  die
endgültige  Gestaltung  der  Zusatzverträge  ausüben  zu
können.  Ich  habe  mir  nachträglich  allerdings  den  Vorwurf
  gemacht,  daß  ich  den  Moskauer  Posten  überhaupt
angetreten  habe,  ehe  dieser  Punkt  einwandfrei  im  Sinne
meiner  Auffassung  geklärt  und  entschieden  war.

Nicht  minder  bedenklich  wie  die  Lostrennung  von
Estland  und  Livland  erschien  mir  die  Gewähr,  die  das
Deutsche  Reich  Rußland  gegenüber  für  das  Fernhalten
türkischer  Streitkräfte  von  dem  Gebiet  um  Baku  übernehmen
  sollte.  Ich  machte  darauf  aufmerksam,  daß  die
Übernahme  dieser  Gewähr,  falls  sie  ohne  vorherige  Verständigung
  mit  der  Türkei  und  ohne  deren  ausdrückliche
Zustimmung  erfolge,  uns  gegebenenfalls  zu  einem  aktiven
Vorgehen  gegen  unsere  türkischen  Bundesgenossen  im
Bunde  mit  dem  bisherigen  gemeinsamen  Feinde  zwingen
könne.  Auch  abgesehen  von  der  ausdrücklichen  Garantieübernahme
  für  Baku  erschien  es  mir  bedenklich,  in  den

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