Die  Entscheidung

Die  Lage  erfuhr  eine  weitere  Verschärfung  durch  Vorgänge
  an  der  tschecho-slowakischen  Front.  Dort  hatte  der
Oberbefehlshaber  der  Roten  Garden,  General  Murawiew,
den  Versuch  gemacht,  seine  Truppen  zum  Abfall  von
der  Sowjetregierung  und  zum  Übertritt  auf  die  Seite  der
Gegner  zu  veranlassen.  Eine  Zeitlang  schien  es,  als  ob
dieser  Versuch  Erfolg  haben  sollte.  Murawiew  wandte  sich
mit  einem  Teil  seiner  Truppen  gegen  Moskau  und  proklamierte
  den  Wiederbeginn  des  Krieges  gegen  Deutschland.
An  der  Front  entstand’  eine  heillose  Verwirrung,  unter
deren  Eindruck  auch  die  Sowjetregierung  in  Moskau
ihre  letzte  Stunde  gekommen  glaubte.  Der  Versuch
scheiterte  jedoch  schließlich  an  der  Haltung  der  lettischen
  Truppen,  und  Murawiew  wurde  von  seinen  eigenen
Leuten  am  8.  Juli  erschossen.  Aberimmerhin  zeigte  auch
dieser  Vorfall,  wie  die  Verhältnisse  auf  des  Messers  Schneide
standen.

Angesichts  der  ungeklärten  Lage  und  der  fortdauernden
  Bedrohung  des  Personals  der  deutschen  Vertretung
stellte  der  deutsche  Geschäftsträger  im  Einverständnis  mit
dem  Auswärtigen  Amt  bei  der  russischen  Regierung  den
Antrag  auf  Zulassung  eines  kriegsstarken  deutschen
Bataillons  als  Gesandtschaftswache.  Die  russische  Regierung
  zeigte  über  diesen  Antrag  große  Erregung.  Herr
Joffe  intervenierte  beim  Auswärtigen  Amt  in  Berlin,  das
den  Antrag  fallen  ließ  und  sich  mit  der  Zusage  der  Zulassung
  von  dreihundert  deutschen  Soldaten  —  aber  in

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