Erste  Unterredung  mit  Tschitscherin

Mein  erster  Besuch  galt  dem  Volkskommissar  für  das
Auswärtige,  Herrn  Tschitscherin,  der  sein  Quartier  im
Hotel  Metropol  am  Theaterplatz  aufgeschlagen  hatte.
Dem  Drängen  meiner  Berater  folgend,  besuchte  ıch  ihn
unangesagt;  auch  benutzte  ich  nicht  das  Gesandtschaftsauto,
  sondern  ein  Dogcart.  Nach  wenigen  Minuten  verlor
das  Pferd  ein  Eisen.  Ich  ging  mit  Dr.  Riezler,  der  mich
begleitete,  unerkannt  und  unbeobachtet  zu  Fuß  durch
die  gefährliche  Stadt,  die  kaum  einen  anderen  Eindruck
machte  als  später  das  revolutionäre  Berlin,

Herr  Tschitscherin,  in  seinem  Äußeren  ein  verhärmter
und  verschüchterter  Gelehrter  mitschwermütigen,  traurigen
Augen,  sprach  mir  sofort  von  seinen  Sorgen  um  Baku,
das  von  den  türkischen  Truppen  unmittelbar  bedroht  seı,
und  berief  sich  auf  die  Zusagen,  die  von  unserer  Regierung
Herrn  Joffe  wegen  des  Schutzes  von  Baku  gemacht
worden  seien.  Ich  bezweifelte  auf  Grund  meiner  Berliner
Informationen,  daß  die  Türken  einen  Schlag  gegen  Baku
beabsichtigen  könnten,  und  gab  die  Versicherung,  daß  die
deutsche  Regierung  von  den  mit  ihrem  Bundesverhältnis
zur  Türkei  verträglichen  Mitteln  Gebrauch  machen  werde,
um  die  Türken  zur  Zurückhaltung  zu  veranlassen.  Über
die  Zusatzverträge  sagte  Tschitscherin,  daß  er  noch  nicht
im  Besitz  der  in  Berlin  zwischen  den  beiderseitigen  Delegationen
  vereinbarten  Redaktion  sei;  daß  nach  deren  Eingang
  die  Verträge  von  dem  ‚Rat  der  Volkskommissare
einer  eingehenden  Prüfung  unterzogen  werden  müßten,

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