Die  Entscheidung

bevor  er  Stellung  nehmen  könne.  Warm  wurde  er,  als  er
auf  die  inneren  Verhältnisse  zusprechen  kam.  Die  Industrieproletarier
  hätten  die  Revolution  gemacht;  aber  sie  seien
in  Rußland  der  Zahl  nach  eine  geringe  Minderheit.  Deshalb
  hänge  das  Schicksal  der  Revolution  vom  Dorfe  ab,
das  sich  bisher  indolent  oder  gar  feindlich  gezeigt  habe.
Sie  seien  jetzt  dabei,  die  „Dorfarmen‘‘  gegen  die  ‚Dorfreichen‘
  zu  mobilisieren.  Überall  auf  dem  Dorfe  würden
jetzt  Sowjets  gebildet  und  in  die  Macht  eingesetzt.  Zu
diesen  Sowjets  dürften  natürlich  nur  die  Besitzlosen  wählen.
Auf  diese  Weise  werde  es  der  Sowjetregierung  gelingen,
auch  das  Land  in  ihre  Gewalt  zu  bekommen.

In  den  folgenden  Tagen  suchte  ich  mir  In  intensivster
Arbeit  und  in  Besprechungen  mit  meinen  Mitarbeitern
wie  mit  anderen  für  mich  erreichbaren  landeskundigen
Personen  ein  genaues  Bild  von  der  Lage  und  den  sich  aus
ihr  für  die  deutsche  Politik  eröffnenden  Möglichkeiten  zu
machen.  Das  Bild,  das  sich  für  mich  ergab,  war  folgendes:

Sowjetrußland  stand  in  einer  schweren  äußeren  und
inneren  Krisis.

Im  Osten  machten  die  Tschecho-Slowaken  und  die  mit
ihnen  kooperierenden  Sibirier  bedrohliche  Fortschritte.
Sie  bemächtigten  sich  der  mittleren  Wolga  mit  den
wichtigen  Städten  Kasan,  Simbirsk,  Samara,  Sysran  und
bedrohten  Saratow.  Gerade  in  der  Zeit,  ın  der  ich  in
Moskau  eintraf,  kam  von  der  Ostfront  eine  Hiobspost
nach  der  anderen,

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