Die  Entscheidung

Am  Montag,  29.  Juli,  dem  Tag  nach  meiner  Ankunft
in  Moskau,  beschloß  das  Zentralkomitee  der  Linken  Sozialrevolutionäre
  in  öffentlicher  Versammlung  eine  Resolution,
die  die  Ermordung  des  Grafen  Mirbach  billigte  und  zur
Nachahmung  aufforderte;  die  Resolution  wurde  am  folgenden
  Tage  in  dem  Moskauer  Organ  der  Linken  Sozialrevolutionäre,
  der  „Znamja  Borby‘“,  veröffentlicht.

Am  Mittwoch,  31.  Juli,  erhielt  ich  am  frühen  Morgen
die  Nachricht  von  der  Ermordung  des  Generalfeldmarschalls
von  Eichhorn  in  Kiew  mit  dem  Zusatz,  daß  der  unmittelbar
nach  der  Tat  festgenommene  Mörder  angebe,  von  dem
Moskauer  Komitee  der  Linken  Sozialrevolutionäre  zu  der
Tat  bestimmt  worden  zu  sein.

Ich  besuchte  am  Mittwoch  nachmittag  Herm  Tschitscherin,
  um  ıhn  auf  den  unerhörten  Beschluß  der  Linken
Sozialrevolutionäre  aufmerksam  zu  machen  sowie  unı  ihm
von  der  Aussage  des  Mörders  Eichhorns  Kenntnis  zu  geben
und  ihm  die  notwendigen  Konsequenzen  anheimzustellen.
Herr  Tschitscherin  sprach  zunächst  formell  sein  Bedauern
über  den  Tod  des  Generalfeldmarschalls  aus.  Im  übrigen
hatte  er  nur  ein  Achselzucken:  Rußland  sei  ein  revolutionärer
  Staat  mit  Preß-  und  Versammlungsfreiheit;  er  habe
keine  Mittel,  um  gegen  Resolutionen  der  Linken  Sozialrevolutionäre
  einzuschreiten.  Er  konnte  sich  dabei  nicht
die  Bemerkung  versagen,  es  habe  dem  Generalfeldmarschall
von  Eichhorn  nichts  genützt,  daß  in  Kiew  eine  große
deutsche  Garnison  stehe;  ich  könne  daraus  entnehmen,

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