Ratifikation  der  Brester  Zusatzverträge

die  Ergänzung  und  Abänderung  des  gemeinschaftlich
abgeschlossenen  Brester  Vertrags  irgendwelche  Kenntnis
zu  geben.  Ja,  als  Österreich-Ungarn  und  die  Türkei  gegen
gewisse  Bestimmungen  der  trotzdem  zu  ihrer  Kenntnis
gekommenen  Verträge  Bedenken  erhoben,  glaubte  man,
über  diese  ohne  weiteres  hinweggehen  zu  können.

Die  Türkei,  die  an  den  Kaukasien  berührenden  Punkten
der  Zusatzverträge  ein  großes  Interesse  hatte,  nahm  die
Angelegenheit  so  ernst  und  wichtig,  daß  der  Großwesir
Talaat  Pascha  seinen  Besuch  in  Berlin  ankündigte,  um
die  Dinge  vor  der  Ratıfikation  der  Verträge  persönlich
zu  besprechen.  Als  er  am  Morgen  des  7.  September  in
Berlin  eintraf,  las  er  in  den  Zeitungen,  daßdie  Ratifikationsurkunden
  der  Zusatzverträge  am  Abend  vorher  ausgetauscht
worden  waren.  Er  wollte  sofort,  ohne  den  Kanzler  und  den
Staatssekretär  des  Auswärtigen  überhaupt  zu  besuchen,
nach  Konstantinopel  zurückreisen  und  konnte  nur  mit
großer  Mühe  bewogen  werden,  von  diesem  einen  offenen
Bruch  markierenden  Schritt  Abstand  zu  nehmen.  Aber
eine  schwere  Verstimmung  blieb.

Auch  der  österreichisch-ungarische  Botschafter  hatte
noch  unmittelbar  vor  dem  Austausch  der  Ratıfikation
gegen  die  Zusatzverträge  beim  Auswärtigen  Amt  remonstriertt.
  Daß  man  darüber  glaubte  hinweggehen  zu
können,  ist  um  so  unbegreiflicher,  als  schon  bei  den  Besprechungen,
  die  Mitte  August  gelegentlich  des  Besuchs
des  Kaisers  Karl  und  des  Grafen  Burian  im  Großen

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