Graf  Hertlings  Rücktritt

Am  Montag,  30.  September,  wurde  ein  an  Graf  Hertling
gerichteter  Erlaß  des  Kaisers  bekanntgegeben,  in  dem
der  Kaiser  den  Rücktritt  des  Grafen  Hertling  genehmigte
und  dann  fortfuhr:

„Ich  wünsche,  daß  das  deutsche  Volk  wirksamer  als
bisher  an  der  Bestimmung  der  Geschicke  des  Vaterlands
mitarbeite.  Es  ist  daher  mein  Wille,  daß  Männer,  die
von  dem  Vertrauen  des  Volkes  getragen  sind,  in  weiterem
Umfang  teilnehmen  an  den  Rechten  und  Pflichten  der
Regierung.“

Das  Reichskabinett  des  Prinzen  Max  von  Baden

Graf  Roedern,  der  am  Abend  des  29.  September
zusammen  ınit  Herrn  von  Hintze  und  einem  Vertreter
der  Obersten  Hecresleitung  nach  Berlin  zurückreiste,
erhielt  vom  Kaiser  den  Auftrag,  in  Berlin  die  für  die
Bildung  der  neuen  Regierung  erforderlichen  Schritte
zu  tun.

Die  Initiative  ging  jedoch  sofort  in  die  Hände  der  ‚‚Mehrheitsparteien‘“
  des  Reichstags  über.  Die  den  Intentionen
des  Kaisers  entsprechende  Anregung  des  Grafen  Roedern,
in  der  äußersten  Not  des  Vaterlands  alle  Parteigegensätze
zurückzustellen  und  durch  die  Bildung  eines  die  sämtlichen
großen  Parteien  umfassenden  Koalıtionskabinetts  die  Einheit
  des  deutschen  Volkes  zum  Ausdruck  zu  bringen,  wurde
kurzerhand  und  schroff  abgelehnt.  Die  Mehrheitsparteien

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