Note  des  Prinzen  Max  an  Wilson

Prinz  Max  brachte  die  Note  an  den  Präsidenten  Wilson
in  seiner  Rede  vom  5.  Oktober  zur  Kenntnis  des  Reichstags
  und  des  deutschen  Volkes.

Zur  Begründung  führte  er  aus,  er  habe  diesen  Schritt
bei  dem  Präsidenten  Wilson  getan,  weil  das  von  diesem
aufgestellte  Programm  für  den  allgemeinen  Frieden  von  uns
als  Verhandlungsgrundlage  angenommen  werden  könne,  und
weil  die  „auf  das  künftige  Glück  der  Völker‘  gerichteten
Gedanken,  die  Herr  Wilson  verkünde,  ‚sich  völlig  mit  den
allgemeinen  Vorstellungen  ım  Einklang  befinden,  in  denen
sich  auch  die  neue  deutsche  Regierung  und  mit  ihr  die
weit  überwiegende  Mehrheit  des  deutschen  Volkes  bewegt‘

Er  machte  einen  Versuch,  mit  dem  Ersuchen  an  Wilson
einen  Anschein  der  Entschlossenheit  zu  verbinden:  Er
wisse,  daß  das  Ergebnis  seiner  ersten  Handlung,  wie  es
auch  ausfallen  möge,  Deutschland  fest  entschlossen  und
einig  finden  werde  sowohl  zu  einem  redlichen  Frieden
als  auch  zu  dem  Endkampf  auf  Leben  und  Tod,  zu  dem
unser  Volk  ohne  eigenes  Verschulden  gezwungen  wäre,
wenn  die  Antwort  der  mit  uns  im  Kriege  stehenden  Mächte
von  dem  Willen,  uns  zu  vernichten,  diktiert  sein  sollte.

Noch  am  22.  Oktober  sprach  der  Reichskanzler  Prinz
Max  im  Reichstag  die  Worte:

„Wer  sıch  ehrlich  auf  den  Boden  des  Rechtsfriedens
gestellt  hat,  der  hat  zugleich  die  Pflicht  übernommen,
sich  nicht  kampflos  einem  Gewaltfrieden  zu  beugen.  Eine
Regierung,  die  hierfür  kein  Empfinden  hat,  wäre  der

239