Sein  oder  Nichtsein

wir  können  in  uns  das  Bewußtsein  tragen,  daß  keine  der
Nationen,  die  sich  des  Sieges  rühmen,  in  diesem  Kriege  ein
solches  Maß  von  innerer  Kraft  und  Tüchtigkeit  entfaltet
hat  wie  unser  deutsches  Volk.  Ein  ungeheurer  Druck  von
Zahl  und  Masse,  wie  er  niemals  in  der  Geschichte  aller
Zeiten  von  einem  einzelnen  Volk  zu  tragen  war,  hat  schließlich
  unsere  Kraft  erlahmen  lassen,  hat  uns  gebeugt  und
allen  bösen  Geistern  Gewalt  über  uns  gegeben.  Aber  dieser
Niederbruch  kann  nicht  das  Ende  sein.  Wir  denken  zurück
  an  die  schwersten  Zeiten  unserer  Geschichte.  Wir
denken  an  die  grauenhafte  Verwüstung  des  Dreißigjährigen
Krieges,  die  nach  dem  Worte  Treitschkes  den  Untergang
des  deutschen  Namens  anzukündigen  schien  und  der  Anfang
  eines  neuen  Lebens  geworden  ist.  Wir  denken  an
die  Wiedergeburt  deutscher  Gesittung  und  deutscher
Macht,  in  der  unser  Volk  sich  mehr  als  einmal  aus  tiefstem
Elend  und  niedrigster  Schmach  erhoben  hat.  In  aller  Not
und  Bedrückung  des  Tages  richten  wir  den  Blick  auf  den
weiten  Horizont  der  Zukunft,  glauben  wir  an  die  Unzerstörbarkeit
  des  deutschen  Wesens  und  den  unveräußerlichen
  Beruf  des  deutschen  Volkes  in  dem  Aufstieg  der
Menschheit.