Graf  Czernins  Geheimbericht

kanzler  bestimmt  war.  Dieser  Bericht,  der  den  Zweck  verfolgte,
  den  deutschen  Kaiser  für  einen  Verzicht  auf  Elsaß-Lothringen
  geneigt  zu  machen,  stellte  die  Lage  Österreich-Ungarns
  in  den  schwärzesten  Farben  dar.  Jede  Indiskretion
mußte  deshalb  besonders  gefährlich  wirken.

Herr  Erzberger  hat  diesen  Geheimbericht,  wie  Graf
Czernin  sagt,  von  einer  „nichtverantwortlichen  Seite‘  erhalten,
  und  zwar  hinter  dem  Rücken  des  für  die  österreichisch-ungarische
  Außenpolitik  verantwortlichen  Grafen.
Wir  wissen  heute,  daß  die  ‚„nichtverantwortliche  Seite“
Kaiser  Karl  selbst  war,  derselbe,  der  wenige  Wochen  zuvor
jenen  mit  dem  Bundesverhältnis  zwischen  den  beiden
Reichen  nicht  zu  vereinbarenden  Brief  an  seinen  Schwager,
den  Prinzen  Sixtus  von  Parma,  gleichfallshinter  dem  Rücken
seines  Außenministers,  geschrieben  hatte.  Herr  Erzberger
behauptet,  den  Bericht  ohne  einen  andern  Auitrag  als
den  der  Geheimhaltung  seiner  Herkunft  erhalten  zu  haben.
Das  hat  offenbar  seine  Richtigkeit;  denn  auch.  Graf  Czernin,
der  in  Übereinstimmung  mit  dem  Grafen  Wedel  feststellt,
daß  Herr  Erzberger  den  Geheimbericht  nicht  geheimgehalten
  habe,  sagt  ausdrücklich,  daß  Herr  Erzberger
dabei  ‚im  Sinne  seiner  Auftraggeber“  gehandelt  habe.

Insbesondere  hat  Herr  Erzberger  den  Geheimbericht
des  Grafen  Czernin  in  einer  Sitzung  des  Reichsausschusses
der  Zentrumspartei,  die  unmittelbar  nach  der  Beschlußfassung
  des  Reichstags  über  die  Juliresolution  in  Frankfurt
  a.M.  stattfand,  zur  Verlesung  gebracht.  Graf  Wedel

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