Die  Aktion  Erzbergers

Offenbar,  um  den  Eindruck  dieser  Feststellungen  abzuschwächen,
  hat  Herr  Erzberger  als  Reichsfinanzminister
und  stellvertretender  Vorsitzender  des  Reichsministeriums
in  der  Sitzung  der  Nationalversammlung  vom  25.  Juli
1919.  den  Versuch  gemacht,  nachzuweisen:

daß  eine  ernste  Friedensmöglichkeit,  geschaffen  durch
ein  die  Vermittlung  des  Vatikans  benutzendes  englisches
„Angebot‘*,  noch  im  August  und  September  1917  an  die
deutsche  Regierung  herangekommen  sei,

daß  aber  dieses  englische,  angeblich  nur  an  die  Wiederherstellung
  der  territorialen  Integrität  und  der  Souveränität
  Belgiens  geknüpfte  Friedensangebot  von  der  politischen
Leitung  des  Reichs  unter  dem  Druck  der  Obersten  Heeresleitung,
  der  Schwerindustrie  und  der  Alldeutschen  ausgeschlagen
  worden  sei.  |

Es  handelt  sich  hier  um  die  oben  (S.  171  und  172)  behandcelten
  Vorgänge.

Die  inzwischen  veröffentlichten  Dokumente  geben  ein
vollständiges  Bild,  das  sich  folgendermaßen  darstellt:

Die  angebliche  englische  Friedensaktion  steht  im  engsten
  Zusammenhang  mit  der  vom  I.  August  1917  datierten,
an  alle  kriegführenden  Mächte  gerichteten  Friedensnote

*®  Herr  Erzberger  hat  später  bestritten,  von  einem  englischen  ‚„Friedensangebot‘“  gesprochen
zu  baben.  Nach  dem  im  Reichsanzeiger  veröffentlichten  ersten  Bericht  über  seine  Rede  hat
er  ausdrücklich  von  einem  „Angebot  Englands"  gesprochen,  dem  die  französische  Regierung
sich  angeschlossen  habe.  Im  amtlichen  stenographischen  Bericht,  der  erst  etwa  10  Tage
später  ausgegeben  wurde,  sind  diese  Worte  allerdings  nicht  enthalten;  wohl  aber  ist  dort  an
eldäer  späteren  Stelle  die  Rede  von  der  „von  England  mit  Vermittlung  des  Heiligen  Stuhles
eingeleiteten  Friedensaktion'.

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