Keine  Neigung  der  Alliierten  zu  Verhandlungen

unter  denen  es  zu  solchen  zweiseitigen  Verhandlungen,
die  allein  Aussicht  auf  Erfolg  boten,  bereit  sei.

Auch  auf  spanischer  Seite  hatte  man  offenbar  sehr  stark
diesen  Eindruck.  Die  britische  Antwort  auf  die  spanische
Eröffnung  wurde  dort  so  wenig  als  eine  Antwortempfunden,
daß  später,  als  Balfour  im  Unterhaus  auf  eine  Anfrage  des
Abgeordneten  King  diese  Antwort  bekanntgab,  Herr  von
Kühlmann  erklären  mußte,  die  deutsche  Reichsregierung
habe  von  der  Bereitwilligkeit  des  britischen  Kabinetts,  eine
deutsche  Mitteilung  über  den  Frieden  entgegenzunehmen,
überhaupt  erst  durch  die  Erklärung  Balfours  ım  Unterhaus
Kenntnis  erhalten.  Der  spanische  Vertrauensmann  hatte
sich  darauf  beschränkt,  Herrn  von  Kühlmann  wissen  zu
lassen,  daß  seine  Sondierung  des  britischen  Kabinetts  auf
die  vermutete  Bereitschaft  zu  Friedensverhandlungen  ein
gänzlich  negatives  Ergebnis  gehabt  habe.

Damit  steht  fest,  daß  die  von  Herrn  Erzberger  späterhin
konstruierte  englische  ‚Friedensaktion“,  die  mit  Ermächtigung
  der  französischen  Regierung  und  durch  Vermittelung
  des  Heiligen  Stuhles  eingeleitet  worden  sein  soll,  mit
den  wirklichen  Vorgängen  in  vollendetem  Widerspruch
steht.  Auch  der  Vatikan  hat  in  der  bereits  erwähnten
Veröffentlichung  in  der  ‚Unitäa  Cattolica“  ausdrücklich
festgestellt,  daß  es  sich  damals  nicht  um  ‚von  England
oder  anderen  Ententestaaten  ausgehende  Friedensvorschläge“
  handelte.  Eine  Bereitschaft  Englands,  mit  uns
auf  der  Grundlage  der  Freigabe  Belgiens  von  gleich  zu

38  Helfferich,  Weltkrieg  III  593