+
–  6  —

au  interessieren,  blieben  vergeblich.  Man  hat  in  der  Oeffentlichleit
  gelegentlich  die  Meinung  ausgesprochen,  Amerika  würde  sich  uns  gegenüber
  anders  verhalten  haben,  wenn  wir  ebenso  wie  Frankreich  und  England
  von  Anfang  an  in  Amerika  ich  gebrauche  den  vulgären  Ausdruck
—  „gepumpt“  dätten;  dazu  wären  wir  aber  in  Deutschland  zu  stolz  gewesen,
  wir  hätten  uns  darauf  kapriziert,  alle  Anleihen  im  Inlande
aufzunehmen.  Meine  Damen  und  Herren,  ich  erinnere  mich,  daß  diese
Frage  gelegemlich  auch  in  der  Budgerkommission  des  Reichstages  gestreift
worden  ist.  Ich  erinnere  mich,  daß  Anfang  März  1916  im  Hauptausschuß
ein  Abgeordneter  mich  begllckwünschte  —  ich  war  damals  noch  Reichsschatzselretär
  ,  daß  ich  es  nicht  nötig  härte  wie  die  Engländer  und  Franzosen,
  in  Amerika  Geld  zu  suchen.  Ich  habe  damals  geantwortet,  daß  der
Herr  meine  tugendhafte  Enthaltsamkeit  bedeutend  überschäte,  daß  ich  sehr
gerne  Geld  von  Amerika  nehmen  wülrde,  wenn  ich  es  mu  bekäme.  Aber
das  Ergebnis  aller  Bemühungen  war  kläglich.  Außer  einem  größeren
Prsten  von  Kriegsanleihen,  den  eine  rührige  Propaganda  in  deutsch-amerilanischen
  Kreisen  drüben  abgesetzt  hatte,  gelang  es  nur,  in  einem  Falle
oder  in  zwei  Fällen  Schatzanweisungen  des  Reiches  in  einem  lächerlichen
Betrage  in  Amerika  unterzubringen,  und  auch  diese  Schatzanweisungen
mußten  sehr  bald  wieder  aus  dem  Markte  genommen  werden.  Keine  von
den  großen  Banken,  die  sich  nicht  scheuten,  Operationen  mit  der  Entente
zu  machen,  war  für  eine  deutsche  Operation  zu  haben.  Der  Abschluß
dieser  Aeinen  Operation  mußte  mit  einer  mittleren  Bank  gemacht  werden.

Ebensowenig  gelang  es.  die  amcrikanische  Geschäftswelt  für  die
Wiederbelebung  der  Handelsbeziebungen  mit  uns  ernsthaft  zu
tnteressieren.  Unter  Aufwand  der  größten  Mühe  tamen  einige  Wersuchssendungen
  von  Nichtlonterbande  auf  neutralen  Schiffen  zustande,  wobe
das  Rißko  unter  der  Hand  auf  das  Reich  übernommen  wurde.  Diese
Versuche  scheiterten  daran,  daß  die  amerikanische  Regierung  gegen  dee
pölkerrechtswidrige  Festhaltung  und  Wegnahme  dieser  Schiffe  nichts  #u
und  die  interessierten  Amerikaner  sich  mit  der  Aussicht  auf  Geldentschädigung
  durch  die  Engländer  zufrieden  gaben.

Im  Sommer  1915  das  war  noch  zu  meiner  Zeit  als  Schatsekretär
  —  batte  ich  die  Hoffnung,  die  großen  amerikanischen  Baumweoninteressenten
  zu  unseren  Gunsten  mobil  machen  zu  können  für  die  Verbesserung
  dieser  Verhältnisse,  die  unheilvoll  werden  mußten.  Der  Ausfall  des
deutschen  Marktes  hat  sich  damals  in  der  ersten  Zeit  des  Krieges  für  die
amerikanische  Baumwolle  empfindlich  fühlbar  gemacht.  Der  Absatz  der
BZaumwolle  und  die  Baumwollpreise  gingen  zurück.  Der  inzwischen
leider  verstorbene  Bremer  Großkaufmann  Herr  Lohmann  hat  damals  mit
ameribanischen  Geschäftsfreunden  über  den  Ankauf  eines  gewaltigen  ostens
von  Baumwolle  zu  günstigen  Preisen  verhandelt,  unter  der  Bedingung  der
Lieferung  in  deutsche  Häfen  auf  amerikanischen  Schiffen  oder  auf  neutralen
Schiffen.  Ich  war  als  Schagysekretär  bereit,  dieses  Riesengeschäft  durch
die  Lebernahme  des  Dreisrisikos  auf  das  Reich  möglich  zu  machen.  Aber
der  Abschluß  wurde  dadurch  vereitelt,  daß  England  in  völkerrechtswidriger
Weise  die  Baumnwolle  auf  die  Konterbandeliste  setzte.  Von  den  Vereinigten
  Staaten  ist  trotz  ihres  großen  Interesses  an  der  Baumwollausfuhr
auch  gegen  die  Aufnahme  der  Baumwolle  in  die  Konterbandeliste  ein  Einspruch
  niche  erhoben  worden;  wenigstens  damals  nicht,  soweit  meine  Kenstnis
  reicht.  „

Aber  nicht  nur  das.  Die  Duldsamkeit  der  amerikanischen  Regierung
und  der  amerikanischen  Geschäftswelt  gegenüber  der  Entente  ging  noch