genug  zu  veranschlagende  Bedeutung  dieses  Schreibens  von  Lansing  an
die  Vertreter  der  Ententemächte.  Aber  was  hat  dieses  Schreiben  für  einen
weiteren  Fortgang  gehabt?  Mit  einem  Male  war  dieses  Schreiben  eine
private  Aeußerung  des  Herrn  Lanfing.  Es  ereignete  sich  etwas  ganz
Merkwürdiges,  etwas,  was  mir  bisher  nicht  aufgeklärt  ist  und  über  das
vielleicht  die  Herren,  die  damals  in  Amerika  waren,  Aufsklärung  geben
können.  Als  wir  selbst  ganz  im  Sinne  der  Lansingschen  Anregung  Anfang
Februm  der  sogenannten  verschärfien  Boot=  Krieg  gegen
bewaffnete  Handels  schiffe  ankündigten,  also  ganz  das  taten,
ipas  Lanfing  als  gerechtfertigt,  als  einen  Ausweg  für  die  Zukunft  bezeich.
net  hatte,  da  griff  der  Präsident  Wilson  persönlich  ein  mit  einem  Brief
an  den  Senator  Stone,  den  WVorsitzenden  des  Senatsausschusses  für  aus.
wärtige  Angelegenheiten,  in  dem  er  sich  mit  großer  Heftigkeit,  in  der
schärssten  Weise  gegen  unsern  verschärften  A.  Boot-Krieg  wandte.  Am
25.  März  legte  die  amerikanische  NRegierung  ihren  neuen  Standpunkt  in
Sachen  der  bewaffneten  Handelsschiffe  in  einem  den  Mächten  mitgeteilten
Memorandum  nieder,  das  im  Gegensatz  zu  dem  Standpunkt,  den  Lansing,
zwei  Monate  zuvor  eingenommen  hatte,  zu  dem  Schluß  kam,  die  Krieg
führenden  müßten  auf  hoher  See  die  Dräsumtion  gelten  lassen,  daß  ein
bewaffnetes  Handelsschiff  nur  zu  Verteidigungszwecken  bewaffnet  sei  und
infolgedessen  den  Charakter  eines  gewöhnlichen  Kauffahrteischisses  habe.  Nur
auf  Grund  beweiskräftiger  Evidenz  der  Angriffsabsicht  —  d.  h.,  wenn  das
Ding  schießt  —  durste  ein  bewaffnetes  Handelsschiff  als  Kriegsschiff  be.
handelt  werdenl

Damit  spielte  die  amerikanische  Regierung  das  Spiel  Englands,  ohne
daß  England  auch  nur  im  lleinsten  Punkte  vorher  oder  nachher  seine
völkerrechtswidrige  Kriegsführung  aufgegeben  hätte.  Von  einem  amerikanischen
  Druck  auf  England  zum  Zweck  der  Wiederherstellung  der  Freiheit

der  Meere  war  nichts  mehr  zu  spüren.  Dagegen  hat  Lanfing  den  „Lusi
E  schon  vor  dieser  Meinungsänderung  erneut  wieder  ausgenommen,
  und  er  hat  unsern  Botschafter  —  der  Fall  war  ja  nie  ganz  eingeschlafen,
  er  wurde  immer  in  petto  gehalten,  um  im  gegebenen  Augenblick
  hervorgeholt  zu  werden  —  mit  Hartnäckigkeit  und  Schärfe  drangsaliert,
  daß  wir  ausdrücklich  die  „Ulegalit)“,  die  Ungesetzlichkeit  der  Versenkung
  der  „Lußttania“  zugeben  und  uns  damit  für  die  weitere  Führung  des
U·  Boot  Krieges  einen  Riegel  vorschieben  sollten.

Dann  erfolgte  am  24.  März,  fast  zu  demselben  Tage,  als  dieses
Dromemoria  herausging,  die  Versenkung  der  ,  Suss  ex“  im  Kanal.  Diese
Versenkung  hat  bekanmntlich  die  Krifis,  die  sch  in  den  vorhergegangenen
Wochen  vorbereitet  hatte,  zum  vollen  Ausbruch  gebracht.  Am  20.  April
hat  der  Botschafter  Gerard  hier  dem  Staareselretäh  des  Auswärtigen  Amts
die  Note  Übergeben,  in  der  die  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  den
Abbruch  der  diplomatischen  Beziehungen  mit  nackten  Worten  androhte,
falls  die  deutsche  Regierung  nicht  unverzüglich  ein  Aufgeben  ihrer  Metho
den  des  4Boot--Krieges  gegen  Passagier=  und
Frachtschiffe  erklären  und  bewirken  sollte.  Der  Note  wurde  besonderer
  Nachdruck  dadurch  gegeben,  daß  der  Präsident  sie  unmittelbar  vor
ihrer  tlebergabe  in  einer  von  ihm,  soviel  ich  weiß,  persönlich  verlesenen  Botschaft
  dem  Kongreß  zur  Kenntnis  brachte.

Es  war  klar:  wir  standen  vor  dem  Biegen  oder  Brechen.

Es  ist  damals  vielfach  die  Meinung  vertreten  worden,  und
ste  wird  ja  auch  heute  noch  vielfach  vertreten,  daß  wir  es  damals
auf  das  Brechen  hätten  ankommen  lassen  sollen  und  können.  Auch  der