meiner  Ansicht  konnte  —  die  Zentral·  Einkaufs-Genossenschaft  war  gerade
beim  Abtransport,  der  uns  in  der  Tat  über  den  Sommer  1916  hinweg
geholfen  hat  —  das  Risiko  nicht  übernommen  werden,  daß  infolge  der
Kriegserklärung  Amerikas  auch  Rumänien  sofort  zu  unseren  Feinden  abge
schwenkt  wärc.  Ob  es  geschehen  wäre,  weiß  niemand.  Mit  der  Möglich.
leit,  ja  der  Wahrscheinlichkeit,  mußte,  wie  die  Dinge  lagen,  gerechner
werden.  Es  kam  schließlich  die  politische,  militärische  Lage  hinzu,  über
die  Herr  v.  Bethmann  Hollweg  neulich  schon  ausführlich  gesprochen  hat.
Die  Ereignisse  des  Sommers  1916  haben  meines  Erachtens
  denienigen  Recht  gegeben,  die  der  Ansicht  waren,  daß  diese  Lage
durch  den  Eintritt  Amerikas  in  den  Krieg  eine  geradezu  verhängnisvolle
Erschwerung  hätte  erfahren  müssen.  Ich  erinnere  an  die  schweren  Kämpfe
auf  den  Schlachtfeldern  der  Somme,  die  wir  noch  im  Sommer  1916  zu
bestehen  hatten;  ich  erinnere  an  die  schwere  Niederlage  der  Oester
keicher  in  Wolhynien,  an  die  Brussilow.=  Offenfive,  die  nahezu  umsere
ganze  Ostfront  zum  Einsturz  brachte,  und  ich  erinnere  schließlich  an  den
enmanschen  Leberfall,  der  gleichfalls  eine  schwere  Krisis  dieses  Krieges
bedeutete.  Ich  bin  auch  heute  noch  der  Meinung:  der  Bruch  mit  Amerika
im  Jahre  1916  hätte  uns  geraden  Wegs  zur  Katastrophe  geführt.  Aber
ich  gebe  zu,  hier  steht  Ansicht  gegen  Ansicht.  Ein  Beweis  für  oder  gegen
läßt  sich  nicht  erbringen.  Ich  kann  hier  nur  bezeugen,  daß  allen  an  der
Entscheidung  Beteiligten  nur  das  Wohl  des  Vaterlandes  vor  Augen  stand.
nur  die  Pflicht,  bei  dieser  Entscheidung  dasjenige  durchzusetzen,  was  sie
für  das  Richtige  und  für  das  Notwendige  in  dieser  schweren  Lage  hielten.
Wir  haben  damals  in  der  Note  vom  4.  Mai  1916  nachge.
geben.  Sie  können  mir  glauben,  das  ist  auch  denen  namenlos  schwer  geworden,
  die  glaubten,  nach  bestem  Wissen  und  Gewissen  dem  Kaiser  zu
dieser  Errscheidung  raten  zu  müssen.  In  dieser  unserer  Antwort  haben
wir  zurückgegriffen  auf  die  von  Wilson  im  Juli  1915  ausdrücklich  erklärte,
bisher  aber  nicht  betätigte  Bereitschaft,  mit  uns  zur  Herstellung  der  Freiheit
  der  Meere  noch  während  des  Krieges  zu  kooperieren,  und  wir  haben
an  die  Mitteilung  umserer  Einschränkung  des  U-Boot-Krieges  auf  die
Form  des  Kreuzerkrieges  ausdrücklich  die  Erwartung  geknüpft,  daß  die
amerikanische  Regierung  nunmehr  nach  unserem  vollständigen  Nachgeben
bei  der  britischen  Regierung  die  Beobachtung  der  völkerrechtlichen  Rormen
der  Seekriegsführung  verlangen  und  durchsetzen  werde.  Wir  behielten  uns
die  Freiheit  der  Entschließung  für  den  Fall  ausdrücklich  vor,  daß  die
Schritte  der  Vereinigten  Staaten  nicht  zu  dem  gewollten  Erfolg  führen
sollten.  Wir  haben  darauf  eine  Antwort  von  Wilson  bekommen.  Diese
Antwort  des  Präsidenten.  Wilson  auf  unser  großes  Zugeständnis
  —  das  Zugeständnis,  das  wir  uns  alle  schwer  vom  Herzen
oerungen  haben  —,  die  Note  vom  10.  Mai,  betonte  mit  schneidender
Schärfe,  daß  die  amerikanische  Regierung  nicht  gesonnen  sei,  Deutschlan
zu  gestatten,  sein  Verhalten  in  Sachen  des  #A-  Boot-Krieges  irgendwie  ab—
g##ngig  zu  machen  von  Dingen,  die  zwischen  England  und  Amerika  schwebten.
  Mit  keinem  Wort  stellte  der  Präsident  Wilson  einen  Schritt  in  Aussicht,
  um  England  auf  den  Boden  des  PBölkerrechts  zurückzuführen.  Mit
keinem  Wort  stellte  er  einen  Schritt  in  Aussicht,  um  dem  entsetzlichen  und
mörderischen  Verfahren  der  Engländer,  dem  entsetzlichsten  und  mörderischsten
  Werbrechen  dieses  blutigen  Krieges,  der  britischen  Hungerblockade,
ein  Ende  zu  machen.  Er  hat  tatsächlich,  soweit  mir  bekannt  ist,  auch  keinen
  Schritt  nach  dieser  Richtung  nach  unserer  Note  vom  4.  Mat  1916
unternommen.  Er  dat  im  Gegenteil  es  ruhig  mitangesehen,  daß  Eng-