—  17  —

Schlachtfeldern  der  Somme,  Wochen  und  Monate,  die  uns  Ströme  des
besten  deutschen  Blutes  kosteten  —  und  DPräsident  Wilson  tat  nichts.  Weder
unternahm  er  Schritte  gegen  die  völkerrechtswidrige  Hungerblockade,  noch
für  die  Herbeifflhrung  von  Friedensverhandlungen.

Unsere  Lage  spiyte  sich  zu.  Ende  August  kam  der  rumänische  Uebersall;
  mit  den  neuen  Herren  der  Obersten  Heeresleitung  fanden  die  Be
sprechungen  in  Pleß,  die  ich  schon  erwähnt  habe,  statt,  die
Besprechungen  über  unsere  gesamte  militärische  und  politische  Lage.  Ich
babe  den  Eindruck  damals  mitgenommen,  und  ich  glaube,  dieser  Eindruck
bestand  wohl  auch  bei  allen,  daß  wir  alles  tun  müßten,  um  in  naher
Zeit  zum  Frieden  zu  kommen,  daß  wir,  wenn  das  nicht  gelang,  gezwun.
sein  würden,  unsere  äußerste  Kraft  und  jedes  verfügbare  Mittel,  auch  das
gewagteste,  in  den  Endkampf  um  unser  Dasein  einzuseyzen.  Hinter  den
Beratungen  von  Pleß  und  den  Friedensgesprächen,  die  damals  zwischen
Herrn  v.  Bethmann,  Herrn  v.  Jagow  und  mir  geführt  wurden,  stand  bereits
  das  Hilfsdienstgeseh,  das  heißt  das  letzte  Aufgebot  unserer  Kraft  im
Inlande,  und  stand  der  verschärfte  U.  Boot-Krieg  für  den  Fall,  daß  nicht
Friedensverhandlungen,  die  eine  JFortsetzung  des  Krieges  über  den  Winter
hinaus  verhinderten,  zustande  kommen  sollten.

Aus  dieser  Lage  heraus  ist  dann  die  Anfrage,  die  Herr  v.  Bethmann
  Hollweg  an  den  Grafen  Bernstorff  am  1.  September  gerichtet  hart,
entstanden,  in  der  Herr  v.  Bethmann  sich  erkundigte,  was  die  persönliche
Meinung  des  Grafen  Bernstorff  über  eine  Friedensvermittlung
des  Präsidenten  Wilson  sei.  In  diesem  Telegramm  ist
schon  gesagt,  daß  im  anderen  Falle  der  rücksichtslose  A.  Boot-Krieg  ernst
erwogen  werden  müsse.

Von  Anfang  September  an  war  also  unser  Botschafter  in  Amerika.
Graf  Bernstorff,  darüber  im  Bilde,  daß,  wenn  die  Friedensvermittlung
nicht  lomme,  nicht  bald  komme,  der  rücksichtslose  U.  Boot.  Krieg  unvermeidlich
  würde.

Graf  Bernstorff  antwortete,  die  Friedensaktion  Wilsons  —  von  der
seit  April  die  Rede  war,  von  der  es  damals  bieß,  sie  kommt  vald,  sie
kommt  in  einigen  Wochen,  sie  kommt  in  einigen  Monaten  —  sei  wegen
des  Eingreifens  Rmnänien  aufgeschoben  worden.  Vor  den  Wahlen  könnte
Wilson  nichts  mehr  unternehmen.  Meine  Herren,  zu  den  Wahlen  war
noch  ein  langer  Weg.  September  und  Oktober  und  die  erste  Novemberwoche,
  neun  bis  zehn  schwere  Wochen,  für  die  es  bei  uns  um  Kopf  und
Kragen  ging.  Das  Warten  war  für  uns  keine  Kleinigkeit  in  einer  solchen
Lage.  Graf  Bernstorff  sagte  in  dem  Telegramm  weiter,  es  wäre  seine
persönliche  Ansicht,  im  Falle  seiner  Wiederwahl  werde  der  Präsident  sofort
  seine  Vermittlung  eintreten  lassen.  Dieses  „Soforr“  hat  Graf
Bernstorff  in  einem  zweiten  Telegramm  dahin  eingeschränkt,  er  halte  Wilsons
  Friedensvermittlung  noch  vor  Jahbresschluß  —  nicht  etwa
für  sicher,  sondern  „für  sehr  aussichtsvoll“.  DOer  Kanzler  drängte  am
26.  September  aufs  neue,  die  Wilsonsche  Aktion  müsse  bald  erfolgen,  an
dernfalls  werde  die  augenblicklich  günstige  Konjunktur  für  den  Friedensschritt
  verpaßt  und  der  rücksichtslose  U  Boot-Krieg  unabwendbar  werden.
Meine  Herren,  bei  der  mangelhaften  Nachrichtenvermittlung  mit  Amerika
und  der  seltenen  Gelegenheit  der  Nachricheenübermittlung  mußte  jedes  Wort,
das  telegraphiert  wurde,  beachtet  werden,  und  wenn  der  Reichskanzler  telegraphierte,
  die  Friedensvermittlung  muß  bald  erfolgen,  andernfalls  wird
die  für  den  Friedensschritt  günstige  Konjunktur  verpaßt  und  wird  der  rück-