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Senatsbotschaft  mit  einer  schlechten  Zensur  bedacht  und  die  Vernichtungsund
  Zerstückelungsziele  der  Entente  als  diskutabel  behandelt  hat,  trotn
seiner  Aeußerung  Über  die  Selbständ'gkeit  der  Wiederherstellung  Dolens,
trondem  er  sich  schon  im  Frühjahr  1916  zu  schwach  gefühlt  hat,  um  angesichts
  der  Amerika  mit  der  Entente  verflechtenden  Handelsinteressen  Eng
lands  Seekriegführung  auf  den  Boden  des  Völkerrechts  zurückzuführen,
trotddem  nach  dem  Zeugnis  seines  Staatssekretärs  Lanfing  von  den  14
Punkten,  die  er  uns  im  Oktober  1918  als  Grundlage-  des  Friedens  garantiert
  hat,  dann  bei  seinen  Beratungen  mit  der  Entente  in  Paris  überhaupt
  kaum  die  Rede  gewesen  ist?  Einen  Druck  hätte  Wilson,  um  zum
Frieden  zu  kommen,  allerdings  pielleicht  ausgeübt,  aber  nicht  auf  die
Entente,  sondern  auf  uns.  Schon  im  Oktober  1916  hat  er  in  einer  Rede
angedeutet,  daß  es  mit  dem  Neutralsein  bald  vorüber  sei,  daß  der  Krieg
einen  Amfang  angenommen  habe,  der  die  Stellung  der  Neutralen  früber
oder  später  unmöglich  mache.  In  seiner  Note  vom  21.  Dezember  1916
selbst  sand  sich  der  Passus,  daß  die  Interessen  der  Vereinigten  Staaten
durch  den  Krieg  vernstlich  in  Mitleidenschaft  gezogen  seien  und  daß  die
Vereinigten  Staaten  offenkundig  genstigt  wären,  Bestimmungen  üÜber  den
bekmöglichen  Schun  ihrer  Interessen  zu  treffen,  falls  der  Krieg  fortdauern
sollte.  Am  Tage  der  Uebergabe  dieser  Note  vom  11.  September  1916,
ehe  bei  uns  die  Frage  des  uneingeschränkten  A-Boot-Krieges  überhaupt
nur  neu  angeschnitten  war,  hat  der  Staatssekretär  Lansing  den  Vertretern
der  amerikanischen  Dresse  eine  Anterrredung  gewährt,  in  der  er  sagte,
Ameri-kka  stehe  nahe  am  Kriege.  ZJedermann  verstand:  nahe
am  Kriege  mit  Deutschland.  Er  hat  noch  am  gleichen  Tage,  als  durch
diese  Aeußerung  eine  ziemlich  große  Aufregung  entstand,  versucht,  die
Aeußerung  abzuschwächen,  sie  zu  retuschieren;  aber  die  Aeußerung  ist  nicht
aus  der  Welt  zu  schaffen.

Aus  alledem  ergibt  sich,  wie  groß  ohne  den  U-Boot-Krieg  damals
die  Gefahr  war,  daß  schließlich  der  Präsident  Wilson  im  Fortgang  der
von  ihm  beanspruchten  Rolle  als  Frjedensvermittler  die  Vermitt
lung  mit  dem  Gewehrkolben  besorgt  hätte,  und  daß  der
Dräsihem  Wilson  im  weiteren  Gange  seiner  Vermittlung  uns  möglicher
weise  persönlich  möchte  ich  sogar  sagen:  wahrscheinlicherweise  —  vor
die  Frage  gestellt  hätte,  entweder  uns  den  ihm  gutscheinenden  Bedingun.
gen  zu  unterwerfen  oder  die  Vereinigten  Staaten  in  die  Reihe  unserer
Feinde  eintreten  zu  sehen.  Das  ist  die  logische  Folgerung  aus  den  Aeußerungen
  Wilsons  und  Lanfings,  die  ich  mir  erlaubt  habe,  soweit  sie  Ihnen
nicht  obnedies  bekannt  waren,  zu  Ihrer  Kenntnis  zu  bringen.  Diese  Beurteilung
  hat  dann  ihre  Bestätigung  durch  das  bekannte  Zwiege
spräch  zwischen  Wilson  und  Mac  Cumber  in  der  ameri
kanischen  Senatskommission  für  auswärtige  Angelegenheiten  gefunden.  Es
ist  neulich  üÜber  diese  Bedeutung  dieses  Zwiegespräches  viel  gesprochen
worden.  Ich  glaube:  nach  dem,  was  ich  eben  mitgeteilt  habe,  wird  diese
Bedeutung  des  Zwiegespräches  um  eine  Schattierung  klarer.  In  diesem
Zwiegespräch  hat  der  Präsident  Willon  nach  mehrfachem  Hin  und  Her
schließlich  zugegeben,  er  glaube,  daß  Amerika  auch  ohne
den  U  Boot=  Krieg  unter  allen  Amüstnden  in  den
Krieg  mit  Deurschland  gekommen  wäre.

Es  scheint  allerdings,  als  ob  es  troß  alledem,  auch  trotz  der  Ersabrungen
  von  Versailles,  in  Deutschland  immer  Leute  geben  wird,  die
Wilson  als  den  Mann  der  Gerechtigkeit  und  des  Friedens  feiern  und  die
die  Schuld  für  die  Kriegsverlängerung  auf  das  eigene  WVaterland  schicben.