2

3.  In  der  Frühe.

Am  Morgen  ist  es  schön.  Wie  freundlich  scheint  da  die
Sonne!  Auf  den  Blumen  und  am  Grase  sind  kleine  Wassertropfen.
  Das  ist  Tau.  Die  Tautropfen  funkeln  und  glitzern,
wenn  die  Sonne  scheint.  Schon  zeitig  kräht  der  Hahn,  die
Hühner  gackern,  die  Tauben  fliegen  aus  dem  Schlage  und  sitzen
auf  dem  Dache.  Am  Dache  zwitschern  die  Böglein  im  Reste,
und  die  Lerche  singt  oben  in  der  Luft  dem  lieben  Gott  ihr
Morgenlied.  Auch  die  Menschen  gehen  jetzt  an  die  Arbeit.
Der  Bauer  pflügt  oder  sät  auf  dem  Felde.  Der  Handwerker
hämmert,  hobelt  und  feilt  in  der  Werkstätte.  Die  Kinder
werden  schuell  gewaschen,  gekämmt  und  angcezogen.  Sie  sollen

ja  zur  Schule  gehen  und  dort  fleißig  lernen.  a#nen

4.  Sonntagmorgen.

Dal  die  Glocken  läuten!  Sie  dröhnen  und  schallen.  Es  klingt
so  tief  und  so  stark.  Ich  höre  es  gern.  Sie  rufen  die  Leute  in  die
Kirche.  Schade,  daß  ich  nicht  den  Turm  sehen  kann,  und  daß  ich
nicht  sehen  kann,  wo  die  Glocken  hängen,  und  wie  sie  sich  bewegen!

Jetzt  kommen  von  allen  Seiten  Leute,  Männer  und  Frauen;
ich  sehe  auch  einige  Knaben  und  Mädchen.  Alle  tragen  sie  Gesangbücher
  in  den  Händen.  Die  Bäücher  sind  schwarz,  einige  haben
Goldschnitt.  Die  große  Kirchentür  ist  auf  der  andern  Seite;  ich
kann  nicht  sehen,  wie  die  Leute  in  die  Kirche  gehen.  Schade!  Ein
paar  alte  Frauen  ohne  Hut  laufen  schnell  um  die  Kirche.  Sie
möchten  nicht  gern  zu  spät  kommen.

Die  Glocken  dröhnen  nicht  mehr.  Aber  nun  schallt  aus  der
Kirche  wunderschöne  M##  laut  und  stark  und  doch  so  weichl
Manchmal  klingt  sie  näh.  mQmal  ferner.  Wenn  die  Kirchentür
aufgeht,  höre  ich  die  Orge.  mal  stärker.  Und  nun  höre  ich
plötzlich  alle  da  drinnen  sir  Und  zwischen  den  vielen,  vielen
Stimmen  braust  die  Orgel  im  fort.  Es  ist  so  schön,  so  feierlich.
Die  Straße  ist  noch  stiller  al  vorher.  Und  immer  schöner  klingt
der  Gesang  und  die  große,  wächtige  Orgel.

Ilse  Frapan.  (Gekürzt.)