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21.  Das  Sandmännchen.

Alle  Abende,  wenn  es  anfängt  dunkel  zu  werden,  geht  ein
kleines  Männchen  durch  die  Dörfer  und  Städte.  Auf  seinem  Rücken
hat  es  ein  Säcklein  mit  feinem  Sande.  Es  geht  so  leise,  daß
niemand  es  hört,  es  ist  so  klein,  daß  niemand  es  sieht.

Sandmännchen  hat  sehr  viel  zu  tun;  denn  es  muß  alle  Kinder
besuchen.  Zuerst  kommt  es  zu  den  ganz  kleinen  Kindern.  Da
nimmt  es  zwei  kleine  Körnchen  Sand  aus  dem  Säscklein  und  streut
sie  dem  Kinde  in  die  Augen.  Und  bald  schläft  es  davon  ein.

Dann  geht  es  zu  den  größeren  Kindern  und  macht's  ebenso,
bis  alle  in  ihren  Bettchen  schlafen.

Wenn  Sandmännchen  einmal  ein  Kind  vergessen  hat,  so  kann
es  die  ganze  Nacht  nicht  schlafen.  August  Schröder.

22.  Feierabend.

HEs  ist  halb  sechs  Uhr.  Da  wird  es  Zeit,  daß  wir  dem  Vater
entgegengehen.  Der  Vater  arbeitet  in  der  Fabrik.  Wir  sind  zu
dritt:  mein  Bruder  Otto,  meine  Schwester  Martha  und  ich.  Unsern
kleinen  Bruder  nehmen  wir  in  die  Mitte  und  führen  ihn.  Wir
gehen  die  Königsstraße  hinunter.  An  der  Hedwigsstraße  heißt  es:
Aufgepaßt!  Dort  fahren  viele  Elektrische  vorüber.

Wir  gucken  links,  da  kommt  gerade  kein  Wagen,  wir  gucken
rechts  die  Straße  hinaus,  da  kommt  ein  Wagen  angebrummt,  der
ist  aber  noch  weit  draußen  und  tut  uns  nichts.  Nun  fassen  wir
unsern  kleinen  Bruder  unter,  und  in  aller  Eile  geht  es  über  die
Schienen,  und  husch!  sind  wir  auf  der  andern  Straßenseite.

Von  weitem  sehen  wir  schon  die  Fabrik  mit  den  hohen  Schornsteinen.
  Vor  dem  Tore  bleiben  wir  stehen  und  treten  etwas  beiseite
an  das  eiserne  Gitter.  Wir  sohen  zwischen  den  Eisenstäben  hindurch
und  passen  auf,  ob  die  große  Tür  sich  bald  öffnet.

Wenn  es  sechs  schlägt,  dann  pfeift  es  sehr  laut.  Da  legt  unser
Kleiner  sein  Köpfchen  ein  bißchen  auf  die  Seite,  stutzt  ein  wenig,
hebt  den  Zeigefinger  hoch  und  sagt:  „Hors!“  Otto  ist  erst  zwei
Jahre  alt  und  kann  noch  nicht  alles  richtig  sprechen.

Und  nun  wird  in  der  Fabrik  Feierabend  gemacht.  Die  große
Tür  geht  auf,  und  dann  strömen  die  Arbeiter  heraus.  Das  reißt
und  reißt  nicht  ab,  gerade  wie  zu  Mittag,  wenn  die  Schule  aus-