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31.  Schneeglöckchen.

Schon  lange  warteten  die  Blumen  unter  dem  Schnee  vergeblich,
daß  der  Winter  weggehen  sollte.  Aber  der  ging  nicht  fort,  denn
der  Frühling  war  ganz  fest  eingeschlafen.  Als  den  Blumen  nun
die  Zeit  zu  lange  dauerte,  sagten  sie  zu  einem  Blümchen,  das  wie
ein  kleines,  weißes  Glöckchen  aussah:  „Du  mußt  den  Frühling  auf—
wecken!“  Und  nun  fing  erst  ein  Glöckchen  an,  ganz  leise  zu  läuten,
und  dann  noch  eins  und  noch  eins,  und  zuletzt  läuteten  viele  tausend
so  laut,  daß  der  Frühling  endlich  davon  erwachte.

Schnell  wischte  er  sich  den  Schlaf  aus  den  Augen.  Dann  stand

er  auf,  zog  sein  neues  Kleid  an  und  jagte  den  Winter  davon.  Hei,
war  das  ein  lustiges  Jagen!  Nach  wenigen  Tagen  schon  waren
Schnee  und  Eis  aufgeschmolzen.
Nun  kamen  alle  die  lieblichen  Frühlingsblumen  hervor  aus  der
Erde,  die  rote  Tulpe,  das  Maiglöckchen  und  noch  viele,  viele  andere.
Die  Menschen  und  Tiere  freuten  sich.  Die  großen  Leute  gingen
spazieren,  und  die  Kinder  spielten  ihre  schönsten  Spiele  im  hellen,
warmen  Sonnenscheine.

Die  Blümchen  aber,  die  unter  dem  Schnee  durch  ihr  Läuten
den  eingeschlafenen  Frühling  aufgeweckt  hatten,  nennt  man  noch
heute  Schneeglöckchen.  Jedes  Jahr  freuen  sich  die  Menschen,  wenn
diese  lieblichen  Blümelein  ihre  weißen  Glöckchen  aus  der  Erde
hervorstrecken.  Heinrich  Baumgarten.

32.  Der  Wettstreit.

1.  Der  Kuckuck  und  der  Esel,
die  hatten  großen  Streit,
wer  wohl  am  besten  sänge
zur  schönen  Maienzeit.

2.  Der  Kuckuck  sprach:  „Dos  kann  ich!“
und  hub  gleich  an  zu  schrein.
„Ich  aber  kann  es  besser!"“
siel  gleich  der  Esel  ein.

3.  Das  klang  so  schön  und  lieblich,
so  schön  von  fern  und  nah;
sie  sangen  alle  beide:
„Kuku,  kuku,  ia!“  August  Hoffmann  von  Fallersleben.