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67.  Rätsel.

Ich  kenne  ein  Tier,  das  hat  immer  einen  Kamm  bei  sich,  und
doch  kämmt  es  sich  nie.  Es  trägt  den  Kamm  auf  dem  Kopfe  und
hat  doch  keine  Haare  wie  die  kleinen  Mädchen.  An  den  Füßen
hat  es  einen  Sporn;  aber  es  ist  doch  kein  Reitersmann.  Es  hat
eine  Sichel  und  schneidet  doch  niemals  Gras.  Es  badet  sich  bisweilen,
  aber  nicht  im  Wasser,  sondern  im  Staube.  Wie  das  Tier
spricht,  wißt  ihr  alle.  Einmal  ruft  es  um  Mitternacht:  „Kikeriki,
es  ist  noch  so  früh!“  Wenn  es  Morgen  wird,  weckt  es  die  Leute
und  ruft:  „Kikeriki,  es  ist  nicht  mehr  zu  frühl!“  Bei  Tage  stolziert
es  auf  dem  Bauernhofe  umher  und  paßt  auf,  ob  es  regnen  will;
da  ruft  es  wieder:  „Kikeriki.“  Damit  das  Tier  aber  noch  besser
sehen  kann,  woher  der  Wind  kommt  und  wohin  die  Wolken  ziehen,
so  haben  die  Leute  es  auf  den  Kirchturm  gestellt.  Da  steht  es

aber  so  hoch,  daß  wir  es  niemals  rufen  hören.
Heinrich  Quietmeyer.

68.  Hähnchen  und  Hühnchen.

Auf  eine  Zeit  ging  das  Hühnchen  mit  dem  Hähnchen  in  den
Nußberg,  und  sie  machten  miteinander  aus,  wer  einen  Nußkern
fände,  sollte  ihn  mit  dem  andern  teilen.  Nun  fand  das  Hühnchen
eine  große,  große  Nuß,  sagte  aber  nichts  davon  und  wollte  den
Kern  allein  essen.  Der  Kern  war  aber  so  dick,  daß  es  ihn  nicht
hinunterschlucken  konnte  und  er  ihm  im  Halse  stecken  blieb,  daß  ihm
angst  wurde,  es  müßte  ersticken.  Da  schrie  das  Hühnchen:  „Hähnchen,
ich  bitte  dich,  lauf,  was  du  kannst,  und  hol'  mir  Wasser,  sonst  erstick'
ich.“  Das  Hähnchen  lief,  was  es  konnte,  zum  Brunnen  und  sprach:
„Born,  du  sollst  mir  Wasser  geben,  das  Hühnchen  liegt  auf  dem
Nußberge,  hat  einen  großen  Nußkern  geschluckt  und  will  ersticken.“
Der  Brunnen  antwortete:  „Lauf  erst  hin  zur  Braut  und  laß  dir
rote  Seide  geben.“  Das  Hähnchen  lief  zur  Braut:  „Braut,  du
sollst  mir  rote  Seide  geben,  rote  Seide  will  ich  dem  Brunnen  geben,
der  Brunnen  soll  mir  Wasser  geben,  das  Wasser  will  ich  dem
Hühnchen  bringen,  das  liegt  auf  dem  Nußberge,  hat  einen  großen
Kern  geschluckt  und  will  daran  ersticken.“  Die  Braut  antwortete:
„Lauf  erst  und  hol'  mir  mein  Kränzlein,  das  blieb  an  einer  Weide
hängen."  Da  lief  das  Hähnchen  zur  Weide  und  zog  das  Kränzlein
von  dem  Aste  und  brachte  es  der  Braut,  und  die  Braut  gab  ihm

Für  unsere  Kleinen.  Hessisihe  Fibel.  II.  Teil.  1.  Auflage.  4