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„Sitz  still!  sieh,  was  sie  tut!“  sagt  Hans.  —  Ich  sitze  ganz
ruhig.  Wie  ein  Gummiball  rollt  sie  über  den  Fußboden,  ihre
Beinchen  sieht  man  nicht.

„Die  hat  Hunger;  darum  geht  sie  so  langsam.“

„Wollen  wir  ihr  ein  Butterbrötchen  geben?“

„Ja,  schnell;  ein  Stückchen  vom  Vesperbrot!“

Jetzt  werfe  ich  ihr  ein  Stück  Brot  hin.  „Sie  frißt,  Hans,  sie
frißt!“

Wirklich,  da  saß  das  hungrige  Mäuschen  und  hielt  das  Brot
zwischen  den  Vorderbeinchen.  Wie  Hände  waren  die  Füße,  ganz
rosa  und  ohne  Haare.  „Die  Maus  frißt!“

„Ich  will  noch  ein  Stückchen  Brot  holen!  Warte,  du  Maus!“

Plötzlich  —  wo  ist  die  Maus?  —  Weg  ist  sie!  Ganz  weg!
Nirgends  zu  sehen,  in  den  Boden  hineingeschlüpft.  —  Wir  suchten
sie  überall.

Da  kam  die  Mutter  nach  Hause.  „O,  Mutter,  die  Maus  war
hier!“  Die  Mutter  blieb  stehen,  dicht  an  der  Tür,  mit  Hut  und
Schirm.  „Die  Maus?  Ich  mag  die  Mäuse  nicht,“  sagte  sie.

„O,  Mutter,  sie  war  reizend!“  schrie  ich.  „Wir  haben  sie
gefüttert!“

„Gefüttert?  Wer  füttert  solch  schädliche  Tiere!  Ich  glaube
gar!"“  rief  die  Mutter.

„Nein,  sie  ist  nicht  schädlich,'“  sagte  Hans.  „Sie  hat  kleine,
schwarze,  blanke  Perlen  statt  Augen,  und  sie  frißt  auch  Butterbrot."
„Ja,  das  glaube  ich  wohl!“  sagte  die  Mutter  und  lachte.

Ilse  Frapan.

93.  Stadtmaus  und  Feldmaus.

Eine  Stadtmaus  ging  spazieren  und  kam  zu  einer  Feldmaus.
  Die  tat  ihr  gütlich  mit  Eicheln,  Gerste,  Nüssen,  und
womit  sie  konnte.  Aber  die  Stadtmaus  sprach:  „Du  bist  eine
arme  Maus;  was  willst  du  hier  in  Armut  leben?  Komm  mit
mir;  ich  will  dir  und  mir  genug  schaffen  von  allerlei  köstlicher
Speise.“  Die  Feldmaus  zog  mit  ihr  in  ein  herrlich  schönes
Haus,  darin  die  Stadtmaus  wohnte,  und  sie  gingen  in  die
Speisekammer.  Da  war  vollauf  von  Brot,  Fleisch,  Speck,
Würsten  und  Käse.  Da  sprach  die  Stadtmaus:  „Nun  iß  und
sei  guter  Dinge;  solcher  Speise  habe  ich  täglich  überflüssig.“