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Wald,“  sagte  sie  zu  ihnen,  „vielleicht  könnt  ihr  Himbeeren  finden."
Da  gingen  sie  hinaus,  das  Brüderlein  und  das  Schwesterlein,  und
suchten  lange  und  konnten  keine  Beeren  finden;  sie  waren  sehr
müde  und  hungrig  und  setzten  sich,  und  das  Brüderlein  fing  an  zu
weinen.  Da  glänzte  es  in  den  Büschen,  und  sie  sahen  ein  schneeweißes
  Hirschlein  mit  einem  schönen  goldenen  Geweih.  Das  blieb
nicht  weit  von  ihnen  stehen,  und  das  Büblein  rief:  „O,  ich  will's
fragen!“  Wie  es  aber  dem  Hirschlein  näher  kam,  sprang  das  wieder
davon,  immer  nur  ein  wenig,  so  daß  ihm  die  Kinder  beide  nachsprangen
  und  meinten,  sie  wollten  es  fangen.  So  kamen  sie  bis
an  das  Ufer  von  einem  breiten  Wasser,  das  sie  noch  nie  im  Walde
gesehen  hatten.  An  dem  Wasser  blieb  das  Hirschlein  stehen.  „Ich
reit'  darauf!“  rief  das  Büblein,  das  mutig  war;  es  setzte  sich  auf
das  Hirschlein  und  hielt  sich  fest  an  seinen  goldenen  Hörnern.  Das
Hirschlein  sprang  geschwind  ins  Wasser  und  schwamm  mitten  durch;
das  Schwesterlein  drüben  schrie  laut  auf,  das  Büblein  aber  lachte,
das  Wasser  war  gar  nicht  tief,  und  es  wurde  nur  an  den  Füßen
ein  wenig  naß.

Drüben  stand  das  Hirschlein  still,  bis  das  Büblein  herunterstieg;
  dann  schwamm  es  wieder  hinüber  auf  die  andere  Seite,  wo
das  Schwesterlein  stand.  „Komm  auch  herüber!“  rief  das  Brüderlein.
Ich  will's  nur  tun!  dachte  das  Mädgdlein  und  setzte  sich  auf  das
schöne,  weiße  Tier  und  hielt  sich  an  den  goldenen  Hörnern  und
fürchtete  sich  gar  nicht,  mitten  durchs  helle  Wasser  zu  reiten.  Als
es  drüben  war,  sprang  es  herunter,  und  die  zwei  Kinder  sahen
einander  an  und  lachten.  Es  war  da  kein  Wald  mehr,  nur  eine
schöne,  grüne  Wiese,  und  es  kam  ihnen  alles  viel  schöner  und  wunderbarer
  vor  als  drüben  auf  dem  Ufer,  von  dem  sie  herkamen.  Das
Hirschlein  aber  sprang  voraus,  und  die  Kinder  sprangen  ihm  nach,
bis  sie  an  ein  schönes  Schloß  kamen  von  schneeweißem  Marmorstein.
  Vor  dem  Schlosse  war  ein  schöner  Wiesengrund,  auf  dem
allerlei  Tiere  weideten,  zu  denen  ging  das  Hirschlein.  Die  Kinder
aber  stiegen  leise  und  schüchtern  die  breite,  schöne  Treppe  hinauf;
sie  sahen  da  keinen  Menschen,  sie  waren  so  sehr  müde  und  hungrig,
sie  hätten  nur  gern  ein  Stückchen  Brot  gehabt.

Oben  stand  ein  Zimmer  offen,  da  gingen  sie  hinein;  es  war
kein  Mensch  drinnen,  aber  in  der  Mitte  stand  ein  Tischchen  und
zwei  weiche,  gepolsterte  Stühlchen  dabei;  auf  dem  Tischchen  standen
köstliche  Speisen,  Biskuit  und  Himbeersaft.  Die  Kinder  sahen  sich
um,  ob  sie  niemand  erblickten;  es  gelüstete  sie  so  sehr  nach  den