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Der  kleine  Bursche  konnte  natürlich  noch  nicht  antworten  und
schaute  nur  verwundert  in  das  freundliche  Gesicht  des  Kaisers.
Dabei  bemerkte  der  hohe  Herr,  daß  das  Kind  keine  Kopfbedeckung
trug,  und  meinte,  da  die  Sonne  sehr  heiß  schien:  „Der  Kleine
kann  ja  rein  den  Sonnenstich  kriegen.  Hat  er  denn  keinen
Hut?“  Die  Frau  antwortete,  sie  habe  dem  Kinde  den  Hut  abgenommen.
  Da  hielt  der  Kaiser  seine  Hand  schützend  über  dem
Kopfe  des  Kleinen  und  unterhielt  sich  mit  dem  Vater  und  der
Mutter.  Er  fragte  den  Vater  nach  seiner  Beschäftigung,  seinem
Alter,  seinem  Lohne  und  nach  vielem  anderen.  Dann  erkundigte  er
sich  bei  der  Mutter,  ob  ihre  Kinder  immer  gesund  gewesen  seien
und  wie  es  ihnen  sonst  ginge.  Als  die  Frau  alles  mitgeteilt  hatte,
sah  sich  der  Kaiser  die  munteren  Knaben  noch  einmal  ganz  besonders
an  und  sagte  lächelnd:  „Das  sind  ja  stramme  Bürschlein;  die
können  später  einmal  alle  Soldat  werden.“

Erst  jetzt  nahm  der  Kaiser  die  Hand  vom  Haupte  seines
Patenkindes.  Er  verabschiedete  sich  von  der  Familie  und  ritt  mit
freundlichem  Gruße  davon.

Gleich  darauf  kam  ein  Offizier  zurückgesprengt  und  überreichte
dem  Vater  im  Auftrage  des  Kaisers  ein  großes  Geldgeschenk.
Nach  Arno  Fuchs.

125.  Wie  gut  die  Kaiserin  ist.

Eines  Tages  wollte  die  Kaiserin  eine  kleine  Stadt  besuchen.
Auf  dem  Bahnhofe  standen  die  Bürger,  um  sie  festlich  zu
empfangen.  Ein  kleines  Mädchen  sollte  ihr  einen  Blumenstraulß
  überreichen  und  sie  mit  einem  schönen  Gedichte  begrühen.
Das  Kind  hatte  fleilig  gelernt.  Plötzlich  fuhr  der  Zug  ein,
und  die  Kaiserin  trat  in  den  Wartesaal.  Das  Mädchen  ging
auf  sie  zu.  Als  es  aber  sein  Gedicht  sagen  wollte,  wuhte  es
kein  Wort  mehr.  Angstlich  blickte  es  um  sich  und  wurde
über  und  über  rot  im  Gesichte.  Schnell  neigte  sich  die  Kaiserin
zu  ihm,  nahm  ihm  den  Blumenstrauß  aus  der  Hand  und
sprach  lächelnd:  „Ei,  den  schönen  Blumenstraufß  willst  du  mir
schenken?  —  JNun,  so  schenke  ich  dir  das  Gedicht.“  Und
freundlich  streichelte  sie  dem  Kinde  die  glühende  Wange.