4  Vorwort

deutsamer  politischer  und  nationaler  Fragen,  die  die  Offentlichkeit  daheim
  und  draußen  in  steigenden  Maße  beschäftigen.  Merkwürdig  unsicher
schwankt  dabei  oft  genug  das  Urteil.  weil  zuverlässige  sachliche  Kenntnisse
  über  Zahl  und  Geltung,  Wesen  und  Haltung  der  Auslanddeutschen
sowie  sicher  begründete  Borstellungen  über  unsere  Interessen  und  unsere
Pflichten  ihnen  gegenüber  noch  immer  nicht  in  wünschenswertem  Umsang
  Gemeingut  weiterer  Kreise  geworden  sind.

Diese  Lücke  möchte  das  vorliegende  Buch  ausfüllen  helfen.  Es  wendet
sich  allen  Gliedern  des  Auslanddeutschtums  zu,  es  will  über  ihre  geschichtlichen
  Beziehungen  zum  Stammvolke,  über  ihre  Entwickelung  und
ihre  heutige  Lage  Kunde  geben  und  zugleich  zu  zeigen  versuchen,  was
diese  Bolksgenossen  außerhalb  des  Reiches  für  die  Stellung  des  Deutschtums
  in  der  Welt,  für  unsere  Wirtschaft  und  Kultur  und  für  unsere
nationale  Zukunft  bedeuten.

Berlin,  8.  Oktober  1912.  R.  H.

Vorwort  zur  zweiten  Anflage.

Seit  Jahresfrist  war  dicses  Bändchen  vergriffen.  Eine  Neuauflage
sollte  hinausgeschoben  werden,  bis  die  durch  den  Krieg  von  Grund  aus
umgestalteten  Verhältnisse  des  Auslanddeutschtums  sich  allseitig  übersehen
  ließen.  Drängende  Nachfrage  veranlaßt  nunmehr  die  Herausgabe
in  nahezu  unveränderter  Fassung.  Unverkennbar  hat  der  Krieg  eine
lebendigere  Teilnahme  an  dem  behandelten  Stoff  geweckt.  Es  scheint,
daß  der  kurze  Leitfaden  für  Unterricht  und  Selbstbelehrung  durch  andere
Veröffentlichungen  nicht  ganz  entbehrlich  geworden  ist.  Dem  zutage
tretenden  Bedürfnis  soll  durch  den  vorliegenden  Neudruck  genügt  werden.

Die  Schicksale  des  Anslanddentschtums  vor  dem  Kriege  sind  heute
ein  Stück  Vergangenheit.  Ungezwungen  gibt  die  bis  zum  Herbst  1912
geführte  Darstellung  das  Bild  einer  in  ihren  wesentlichen  Zügen  bestimmten
  und  in  sich  geschlossenen  Entwickelung.  In  den  letzten  zwei
Friedensjahren  spinnen  sich  für  unsere  Volksgenossen  in  fremdstaatlicher
Umwelt  die  alten  Fäden  weiter.  Neue  Antriebe  werden  auf  deutscher
Seite  nirgends  bemerkbar.  Neu  ist  lediglich  die  zunehmende  Hemmung,
die  im  Bereich  der  Ententemächte  und  ihres  wachsenden  Anhangs  der
Betätigung  des  Deutschen  in  den  Weg  tritt.  Es  war,  wie  wir  heute