8  Das  Deutschtum  in  d.  v.  neuen  Reich  getrennten  ehemalig.  Reichslanden

deutschen  Reichsständen  die  Lockerung  der  Beziehungen  genehm.  Man
wollte  nicht  durch  die  Verpflichtung  zum  Reichsschutz  der  Niederlaude
in  unbequeme  auswärtige  Verwickelungen  hineingezogen  werden.  Nach
Karls  V.  Abdankung  trat  Philipp  II.  von  Spanien  die  Herrschaft  des
burgundischen  Kreises  an.  Unter  seiner  Regierung  brachte  das  Zusommenwirken
  des  politischen  Widerstreites  von  Monarchie  und  Ständetum
  mit  den  konfessionellen  Gegensätzen  den  „Abfall  der  Niederlande“.
In  achtzigjährigem  Freiheitskampf  haben  die  protestantischen  Nordniederlande
  politische  und  religiöse  Selbständigkeit  erstritten.

Holland  hat  in  seinem  schweren  Ringen  vom  Reich  keine  Unterstützung
  erfahren.  Diese  Niederdeutschen,  die  um  das  Reich  sich  längst
nicht  mehr  gekümmert  hatten,  erinnerten  sich  in  den  Nöten  des  Kampfes
plötzlich  ihrer  Reichszugehörigkeit.  Es  ist  verständlich,  daß  das  Reich
als  Gesamtheit  für  sie  nichts  getan  hat.  Das  Reich  war  selbst  konfessionell
  gespalten  und  der  Kaiser  war  verwandtschaftlich  mit  dem  spanischen
  Herrscherhause  verbunden.  Aber  auch  die  großen  protestantischen
Teilmächte  in  Deutschland  hielten  sich  vorsichtig  zurück.  Kursachsen  und
Kurbrandenburg  waren  lutherisch.  Wie  hätten  sie  den  verhaßten  Kalvinisten
  in  Nordniederland  beispringen  sollen,  zumal  da  es  zugleich  um
einen  Aufstand  rebellischer  Untertanen  gegen  die  Obrigkeit  sich  handeltel
So  hinderten  konfessionelle  und  legitimistische  Bedenken  eine  tatkräftige
Unterstützung  des  im  Kampf  mit  Spanien  stehenden  niederdeutschen
Bruderstammes  auch  feitens  der  lutherischen  Reichsstände.  Im  deutschen
Volke  regte  sich  doch  die  Stimme  des  Blutes.  In  den  deutschen  Freistädten
  fanden  niederländische  Flüchtlinge  eine  Zuflucht.  Deutsche  Adelige
und  deutsche  Söldner  zogen  den  niederländischen  Heeren  zu  und  wurden
dort  willkommene  Mitstreiter.  Also  Hilfe  im  kleinen;  nicht  eine  große
nationale  Tat  von  deutscher  Seite!  Sehr  viel  wirksamere  Förderung  erfuhren
  die  Nordniederländer  von  Frankreich  und  England.  Das  Beste
haben  sie  selbst  geleistet.  1648  ist  dem  nordniederländischen  Freistaat
die  völkerrechtliche  Anerkennung  zuteil  geworden.

Der  burgundische  Kreis  war  auseinandergerissen.  Nur  die  südlichen,
katholischen  Provinzen,  nahezu  zur  Hälfte  von  französischredenden  Wallonen
  bewohnt,  verharrten  als  Rumpf  des  ehemaligen  burgundischen
Kreises  unter  spanischer  Oberhoheit  beim  Reich.  Die  nach  Volksart  und
Sprache  geschlossen  germanischen  Nordprovinzen  bildeten,  vom  Reiche
getrennt,  die  protestantische  Republik  der  Generalstagten.  Schon  in  den