Belgien;  Deutsche  in  Belgien.  Luxemburg  15

Sprache  ausgebrachter  Trinkspruch  ist  nur  von  der  Pariser  Presse  als
ein  „erstaunliches“  Ereignis  hingestellt  worden.

Das  Gesamtergebnis  zeigt  in  Belgien  ein  entschiedenes  Ubergewicht
der  französischen  Kultur.  Die  Flamen  sind  Germanen  wie  die  Holländer,
aber  —  weil  sie  nicht  mehr  deutsch  sind  —  haben  sie  der  Gesamtheit
der  französischen  Kulturwerte  nur  etwas  an  sich  Bescheideneres  entgegenzusetzen.


Es  gibt  in  Belgien  einen  Bruchteil  alteingesessener  Deutscher.  Sie
wohnen  in  den  Arondissements  Verviers,  Bastogne  und  Arel,  in  Anhängseln
  des  oberdeutschen  Sprachgebiets,  das  in  kleinen  Ausbuchtungen  auch
nach  Belgien  hineinreicht.  Insgesamt  sind  es  etwa  40000  Deutschsprechende.
  In  Arel  besteht  ein  rühriger  „Verein  zur  Hebung  und
Pflege  der  Muttersprache  in  Deutsch-Belgien“.  Ganz  neuerdings  ist
wesentlich  durch  seine  Bemühungen  der  deutschen  Sprache  in  diesen
Bezirken  gesetzliche  Beachtung  und  Anerkennung  zuteil  geworden.  Belangreicher
  sind  die  deutschen  Kolonien  in  den  großen  belgischen  Handelsund
  Industrieplätzen,  in  Brüssel,  in  Lüttich,  in  Antwerpen.  Antwerpenhat
sast  das  Anfehen  eines  deutschen  Hafens.  Dort  sind  einzelne  Zweige
des  Großhandels  ganz  in  deutschen  Händen.  An  allen  genannten  Plätzen
gibt  es  vortreffliche  deutsche  Schulen,  angesehene  deutsche  Vereine.  Aber
die  Deutschen,  die  diese  Einrichtungen  stützen  und  tragen,  sind  Zugewanderte.
  Sie  sind  nicht  bodenständig  Sie  fallen  unter  den  Begriff
der  deutschen  Diaspora.

Hier  sei  nur  noch  angemerkt,  daß  für  Belgien  der  Handelsverkehr  mit
dem  Deutschen  Reich  in  Einfuhr  und  Ausfuhr  an  erster  Stelle  steht.  Der
deutsch-belgische  Gesamthandel  überschritt  1911  750  Millionen  Mark.
Er  hat  den  belgisch-französischen  Handelsaustausch  längst  weit  überholt.

Luxemburg.  Luxemburg  endlich  hat  eine  eingesessene  Bevölkerung
reindeutschen  Stammes  von  etwa  260000  Seelen.  Auch  hier  greift
das  hochdeutsche  Sprachgebiet  über  die  reichsdeutsche  Grenze  hinaus
und  die  Ausbuchtung  umfaßt  das  ganze  Ländchen.  Die  Luxemburger
sind  Nachkommen  derselben  Väter,  deren  Söhne  im  Mittelalter  aus
dem  Moselland  nach  dem  fernen  Siebenbürgen  gezogen  sind  und  dort
seit  langen  Jahrhunderten  ihr  Deutschtum  so  tapfer  gewahrt  haben.  In
ihrer  Heimat  haben  die  Luxemburger  nicht  die  gleiche  Volkstreue  bewährt.

Luxemburg  ist  seit  dem  ausgehenden  Mittelalter,  wie  Belgien,  nacheinander
  unter  spanische,  österreichische,  französische  und  holländische