22  Das  Deutschtum  in  d.  v.  neuen  Reich  getrennten  ehemalig.  Reichslanden

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Nicht  im  Sinne  eines  Wunsches  nach  politischer  Gemeinschaft  mit  dem
Deutschen  Reich,  aber  im  Sinne  der  Aufrechterhaltung  und  Festigung
der  alten  Kulturbeziehungen.  Aus  diesen  Kreisen  heraus  ist  1904  der
deutsch-schweizerische  Sprachverein  begründet  worden.  Sein  Obmann
ist  der  oben  angeführte  Pfarrer  Eduard  Blocher-Zürich.  In  ihm  lebt
der  Stolz  auf  die  vollberechtigte  Zugehörigkeit  des  Schweizerdeutschen
zum  deutschen  Volkstum.  „Auslandsdeutschtum“  —  so  sagt  er  —  „ist
die  deutsche  Schweiz  nur  für  denjenigen,  der  Deutsch  und  Reichsdeutsch
verwechselt.  Sie  ist  alter  deutscher  Sprachboden,  größtenteils  seit  den
Tagen  der  Völkerwanderung  deutsch,  ihre  Städte  schon  blühende  Mittelpunkte
  deutschen  Lebens  und  deutscher  Bildung,  als  Berlin  und  Leipzig
  noch  flawische  Dörfer  waren.  .  ..  Das  Deutschtum  ist  hier  ebensogut
  zu  Hause  wie  in  Dresden,  Hamburg  oder  Wien.  Es  ist  hier  nicht
im  Ausland,  denn  es  ist  nicht  aus  dem  Reich  hereingetragen  worden.“
Die  Ausführungen  sind  nach  der  geschichtlichen  Seite  hin  unbestreitbar.
  Nach  ihnen  müßte  dieses  Büchlein  einen  anderen  Titel  haben,
etwa:  „Das  Deutschtum  außerhalb  des  heutigen  Deutschen  Reiches“.
Aber  ein  solcher  Titel  hätte  sein  volles  Recht  nur,  wenn  die  Darstellung
  lediglich  unter  dem  Gesichtspunkt  der  reinen  Deutschkunde  geschrieben
  wäre.  Unsere  Darstellung  hält  die  Begriffe  Deutsch  und  Reichsdeutsch
streng  auseinander,  aber  sie  geht  vom  Standpunkt  des  reichsdeutschen
Betrachters  aus.  Gewiß  gibt  es  weite  Gaue  auch  außerhalb  des  Reichs,
in  der  Schweiz  und  anderwärts,  in  denen  der  Deutsche  sich  als  solcher
  voll  heimatberechtigt  fühlen  darf.  Aber  von  der  Alleinherrschaft
oder  auch  nur  von  der  unbedingten  Vorherrschaft  der  deutschen  Sprache
ist  im  staatlichen  Leben  außerhalb  des  Deutschen  Reiches  nirgends  die
Rede.  Unsere  Volksgenossen  draußen  leben  in  nationalgemischten  Staatsbildungen
  oder  in  gänzlich  fremder  Umwelt  und  unter  fremder  Staatshoheit.
  Sie  haben  selbst  in  der  Schweiz  und  in  Osterreich  nicht  mit
einem  deutschen  Nationalstaat  zu  rechnen.  Auch  Blocher  sieht  mit  einer
gewissen  Sorge  in  die  Zukunft.  Er  verkennt  nicht,  daß  der  neuschweizerische
  Patriotismus  im  Verein  mit  der  modernen  Durcheinanderwürfelung
  der  Bevölkerung  das  deutsche  Sprachgut  ernstlich  gefährden  könnte.
Man  redet  in  der  Schweiz  dem  Gedanken  das  Wort,  daß  jeder  Staatsangehörige
  die  drei  Landessprachen  sich  aneignen  solle.  Praktisch  wäre
die  Wirkung  die,  daß  nur  der  Deutsche  sich  gewissenhaft  bemühen  würde,
Französisch  und  Italienisch  zu  lernen.  Blocher  kommt  zu  dem  Schluß:
„Dränge  die  Auffassung  durch,  so  könnte  die  Folge  sein,  daß  man  in