Schweiz;  deutsche  Kulturbeziehungen;  wirtschaftliche  Beziehungen  23

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den  Lehrbüchern  der  Erdkunde  in  hundert  Jahren  lesen  würde,  die
Schweiz  zerfalle  in  drei  Sprachgebiete,  ein  italienisches,  ein  französisches
und  ein  dreisprachiges.“

Der  düstere  Ausspruch  ist  offenbar  als  eine  besonders  eindringliche
  Warnung  an  die  Schweizerdeutschen  gedacht.  Auch  wir  haben
keine  Veranlassung,  die  ernste  Sachlage  zu  vertuschen.  Es  steht  bei
den  Schweizerdeutschen,  ob  das  Zukunftsbild  sich  verwirklicht.  Die
Klarblickenden  unter  ihnen  begreifen  allmählich,  was  ihre  Nachfahren
dabei  aufgäben.  Unter  allen  Umständen  ist  es  von  Nutzen,  wenn  die
Gefahr  erkannt  und  klar  gekennzeichnet  wird.  Wir  können  nur  wünschen,
  daß  in  den  deutschen  Kantonen  nach  den  Absichten  des  deutschschweizerischen
  Sprachvereins  die  Liebe  zur  deutschen  Sprache  und  Art,
die  Freude  am  Deutschtum  gepflegt  und  gestärkt  werde.

Eine  Bürgschaft  für  solche  Hoffnung  bietet  die  enge  geistige  Gemeinschaft,
  die  tatsächlich  zwischen  der  Schweiz  und  dem  deutschen
Volkstum  ungebrochen  fortbesteht.  Nicht  minder  gewichtig  erscheinen
die  wirtschaftlichen  Beziehungen,  die  die  Schweiz  in  erster  Linie  auf
das  Deutsche  Reich  hinweisen.  Dabei  spielen  die  Verkehrsmöglichkeiten
eine  entscheidende  Rolle.  Die  Schweiz  hat  eine  Besonderheit,  die  in  diesem
Zusammenhang  Erwähnung  verdient.  Sie  hat  wie  Luxemburg  und
Serbien  keinen  Zutritt  zum  Meere.  Der  schweizerische  Außenhandel
muß  den  Weg  durch  fremdes  Land  nehmen,  durch  Frankreich,  Italien,
Osterreich  oder  durch  das  Deutsche  Reich.  Am  bequemsten  offnet  sich
das  Schweizer  Bergland  nach  der  reichsdeutschen  Seite.  Nach  dieser
Richtung  hin  verlaufen  die  zahlreichsten  Bahnlinien,  vor  allem  die
Wasserstraße  des  Rheins.  Die  geplante  Stromregulierung  des  Rheins
bis  Basel  und  die  Schiffbarmachung  von  Aare,  Reuß  und  Limmat
werden  das  günstige  Verkehrsverhältnis  nach  der  deutschen  Seite  noch
erheblich  steigern.  Der  etwas  abenteuerliche  Plan  einer  Kanalverbindung
zwischen  Bodensee  und  Comersee,  der  für  die  Schweiz  einen  Ausweg
nach  dem  Mittelmeer  schaffen  soll,  ist  jeden  falls  unendlich  viel  schwerer
zu  verwirklichen  als  die  Schiffbarmachung  des  Rheins  bis  zum  Bodensee.
  Selbst  ein  Wasserweg  vom  Genfer  See  nach  dem  Neuenburger
See  und  von  dort  durch  die  Aare  in  den  Rhein  wäre  technisch  leichter
herzustellen  als  die  Wasserverbindung  nach  dem  Süden.  Tatsächlich
gehen  Getreide  und  Petroleum  aus  Rußland  und  Rumänien  und  Getreide
  aus  Argentinien  und  den  Vereinigten  Staaten  auf  dem  Wege
über  Holland  rheinaufwärts  nach  der  Schweiz.  Und  die  Hauptmasse