26  Das  Deutschtum  in  d.  v.  neuen  Reich  getrennten  ehemalig.  Reichslanden

spricht.  Zumal  da  eine  solche  Stellung  des  Deutschtums  ebenso  dem
wohlverstandenen  Interesse  des  Gesamtstaates  wie  der  Dynastie  am
besten  dient.

Osterreich  zählte  1910  unter  27963  872  Landeskindern  9950  266
mit  deutscher  Umgangssprache,  35,58  v.  H.  der  Gesamtbevölkerung.
Schaltet  man  Galizien,  Bukowina  und  Dalmattien  aus,  die  Länder,
die  nicht  dem  alten  Deutschen  Reich  angehörten,  so  ist  der  Fortschritt
des  Deutschtums  unverkennbar.  In  den  ehemaligen  deutschen  Bundesländern
  Osterreichs  hat  die  Gesamtbevölkerung  sich  im  letzten  Jahrzehnt
  um  8,95  v.  H.vermehrt,  die  Zahl  der  Deutschen  aber  um  10,25  v.  H.
1900  betrug  der  deutsche  Bevölkerungsanteil  dieses  Gebietes  5  1,63  v.  H.,
1910  ist  er  auf  52,23  v.  H.  gestiegen.  Die  mehr  als  9½  Millionen
der  hier  ansässigen  Deutschösterreicher  zerfallen  in  zwei  Gruppen.  Die
eine,  in  Ober=  und  Niederösterreich  und  in  den  Alpenländern,  umfaßt
6  Millionen,  die  andere,  in  den  Sudetenländern,  3½  Millionen.  Diese
9½  Millionen  gehören  insgesamt,  mit  Ausnahme  einiger  Sprachinseln
in  den  Alpen,  in  Böhmen  und  Mähren,  dem  geschlossenen  deutschen
Sprach=  und  Siedlungsgebiet  an.  Der  Rest,  ½  Million  Deutscher,
verteilt  sich  auf  die  übrigen  Kronländer.  Sie  sitzen  zum  größeren  Teil
in  den  Städten,  in  freien  Berufen,  als  Vertreter  von  Handel  und  Industrie,
  als  Beamte  und  als  Angehörige  der  Armee.

Man  sieht  deutlich,  daß  das  Deutschtum  in  Osterreich  eine  ganz
eigenartige  Stellung  innehat.  Alle  anderen  Nationalitäten  sind  in  der
Hauptsache  auf  ihre  alten  Stammsitze  beschränkt.  Auch  sie  senden  Auszügler
  aus,  meist  in  die  großen  Städte  und  in  die  Industriegebiete.
Aber  sie  sind  nicht  in  allen  Teilen  der  Monarchie  zu  finden  wie  die
Deutschen.  Allein  die  Deutschen  umspannen  mit  ihren  nationalen  und
wirtschaftlichen  Interessen  das  gesamte  österreichische  Staatsgebiet.

Den  10  Millionen  Deutschen  stehen  rund  18  Millionen  Anderssprachiger
  gegenüber,  davon  sind  17  Millionen  Slawen  und  eine  Million
Romanen.  Die  Romanen  bilden  eine  geringe  Minderheit.  Italiener
und  Ladiner  fallen  nur  in  Südtirol  und  im  Küstenland  ins  Gewicht,
die  Rumänen  in  der  Bukowina.  Die  Slawen  haben  in  ihrer  Gesamtheit
  ziffernmäßig  das  Ubergewicht  über  die  Deutschösterreicher.  Aber
diese  Slawen  bilden  weder  sprachlich,  noch  konfessionell,  noch  politisch
eine  geschlossene  Einheit.  Keine  der  slawischen  Sprachen  ist  allen  Slawenstämmen
  glatt  verständlich.  Es  ist  eine  oft  bespöttelte  Tatsache,  daß  auf
slawischen  Kongressen  die  verschiedenen  slawischen  Völker  zum  Deutschen