Hsterreich;  deutsch  tschechischer  Ausgleich  37

hinzu,  daß  die  Ergebnisse  der  letzten  Volkszählung  die  ungebrochene
Lebenskraft  des  deutschen  Elements  klar  hervortreten  lafsen.
Niemand  wird  in  diesem  Augenblick  vorhersagen  können,  ob  schon
die  nächste  Zukunft  einen  für  die  Deutschen  annehmbaren  nationalen
Waffenstillstand  bringt.  Aber  wohl  darf  man  der  Überzeugung  Ausdruck
  geben,  daß  das  Deutschtum  in  Osterreich  unüberwindlich  ist,  wenn
es  sich  nicht  selbst  aufgibt.  Es  hat  in  Osterreich  die  Unmöglichkeit  sich
herausgestellt,  gegen  die  Deutschen  zu  regieren.  Ihre  Stellung  muß
sich  notwendig  bessern.  Der  Staat  ist  ohne  Festlegung  einer  Staatssprache
  auf  die  Dauer  nicht  zusammenzuhalten.  An  den  amtlichen  Zentralstellen
  und  im  Parlament  ist  eine  allseitig  verständliche  Verhandlungssprache
  unentbehrlich.  Die  Armee  braucht  eine  einheitliche  Kommandosprache;
  für  die  Truppen  muß  bis  herunter  zu  Patronillen
und  Posten  eine  durchgängige  Verständigung  möglich  sein.  Es  ist
schlechterdings  undenkbar,  daß  in  Osterreich  für  alle  diese  Bedürfnisse
eine  andere  Sprache  als  die  deutsche  auch  nur  in  Frage  kommet.  Es
ist  die  Sprache  des  stärksten  und  leistungsfähigsten  Volksstammes,  zugleich
  diejenige  Sprache,  die  gegenüber  allen  in  Osterreich  gesprochenen
eine  weit  überragende  Stellung  als  Weltsprache  einnimmt.  Endlich
sind  die  Deutschen  nicht  nur  die  vornehmsten  Vertreter  der  geistigen
und  wirtschaftlichen  Kultur,  sondern  auch  die  Träger  des  österreichischen
  Staatsgedankens.  Man  erkennt  das  am  deutlichsten  an  ihrer
Stellung  innerhalb  des  Beamtentums.  Der  Tscheche,  der  Slowene,
der  Italiener  bleibt  auch  als  Beamter  nationaler  Parteimann.  Er
wirkt  bewußt  im  Interesse  seines  Volkssplitters  und  trägt  keine  Schen,
auch  agitatorisch  in  diesem  Sinne  hervorzutreten.  Der  deutsche  Beamte
  macht  sich  nationale  Unbefangenheit  zur  Pflicht.  Er  vermeidet
peinlich  jede  nationale  Einfeitigkeit  und  behandelt  den  Deutschen  wie
den  Nichtdeutschen  mit  gleich  unbestechlichem  Gerechtigkeitsgefühl.  Er
steht  über  den  Parteien.  Er  hat  —  und  er  allein  —  gesamtstaatliches
Empfinden.  Das  ist  der  große  Vorzug,  den  die  anderen  nur  ganz
ausnahmsweise  erreichen.  Das  alles  weist  den  österreichischen  Deutschen
  die  führende  Stellung  an.  Daß  die  Magyaren  von  Österreich  sortstreben,
  ist  hinlänglich  bekannt.  Die  Tschechen  verlangen  ein  selbständiges
  Reich  der  Wenzelskrone,  die  Südflawen  begehren  einen  autonomen
  Staat,  die  Polen  trönmen  von  der  Wiederaufrichtung  ihres
zerrissenen  Vaterlandes.  Osterreich-Ungarn  ist  verloren,  wenn  es  den
Zusammenhang  mit  dem  Deutschtum  aufgibt.  Über  kurz  oder  lang