38  Das  Deutschtum  in  d.  v.  neuen  Reich  getrennten  ehemalig.  Reichslanden

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muß  eine  neue  Phase  in  der  Geschichte  des  österreichischen  Deutschtums
beginnen,  in  der  dieser  wertvollste  Bevölkerungsteil  in  der  Monarchie
den  Platz  zurückgewinnt,  der  ihm  seiner  wirtschaftlichen  und  kulturellen
Geltung  und  seinem  moralischen  Gewicht  nach  gebührt.

Die  Umschau  auf  die  einst  dem  alten  Deutschen  Reich  zugehörigen
Gebiete,  die  heute  außerhalb  der  schwarz-weiß-roten  Grenzpfähle  liegen,
ist  damit  abgeschlossen.  Das  Ergebnis  ist  keineswegs  so  trostlos,  wie
es  nach  gelegentlichen  klageführenden  Abschilderungen  erscheinen  könnte.
Die  Niederlande  und  die  Schweiz  sind  seit  etlichen  Jahrhunderten,
Osterreich  erst  seit  wenigen  Jahrzehnten  in  eigene  Bahnen  eingelenkt.
Die  Niederlande  sind  allerdings  als  deutsches  Land  verloren,  und
selbst  in  der  Schweiz  wollen  manche  nicht  daran  erinnert  sein,  daß
sie  demselben  Bolkstum  angehören  wie  die  Deutschen  im  Reich.  Trotz
der  tausend  alten  Fäden,  die  nach  der  Schweiz  hin  niemals  abgerissen
sind,  und  der  neuen  Verknüpfungen,  die  heute  vom  Deutschen  Reich
aus  südwestwärts  und  nordwestwärts  sich  spinnen,  lehnt  vorerst  die
öffentliche  Meinung  in  der  Schweiz  wie  in  Holland  und  Belgien  den
Gedanken  eines  engeren  Zusammenschlusses  mit  dem  Reich  ab.  Zum
Teil  geht  das  auf  den  unbegründeten  Verdacht  zurück,  daß  das  waffenstarke
  Deutsche  Reich  die  politische  Selbständigkeit  dieser  kleineren
Nachbarstaaten  bedrohe,  zum  Teil  auf  demokratische  Vorurteile  gegen
unsere  festgefügten,  angeblich  volksbedrückenden  staatlichen  Zustände.
Solche  Urteile  sind  unverkennbar  von  dritter  Seite  her  beeinflußt.  Es
gibt  eine  systematische  Hetze  —  leider  nicht  nur  im  Ausland  —,  die
gewerbsmäßig  die  reichsdeutsche  Politik  verdächtigt  und  die  reichsdeutschen
  Zustände  verunglimpft.  Man  scheut  selbst  davor  nicht  zurück,  die
kleinen  Staaten  mit  versteckten  und  offenen  Drohungen  von  einer  Anlehnung
  an  das  Deutsche  Reich  abzuschrecken.  Das  übt  trotz  der  inneren
Unwahrhaftigkeit  solcher  Bezichtigungen  und  der  unschwer  erkennbaren
Herkunft  jener  Winke  noch  immer  seine  Wirkung.  Man  muß  abwarten,
ob  eine  gerechtere  Würdigung  der  reichsdeutschen  Politik  auf  Grund
der  allmählich  sich  ansammelnden  Erfahrungen  Platz  greift,  und  ob
auch  der  innere  Gehalt  unseres  Staatswesens  zutreffender  gewertet  wird.

Vorerst  haben  wir  die  Tatsache  zu  verzeichnen,  daß  Holland  und
Belgien,  abgesplitterte  Teile  unseres  Volkes,  uns  in  weitgehendem
Maße  entfremdet  sind.  In  Luxemburg,  das  deutsch  geblieben  ist,  eröffnen
  sich  neuerdings  günstige  Aussichten  für  eine  innere  Gewinnung