Osterreich.  —  Ausblick  39

des  kleinen  Bölkchens.  In  der  Schweiz  ist  die  Hauptmasse  der  Bevölkerung
  deutsch.  Dort  sind  Kräfte  vorhanden,  die  einer  möglichen
nationalen  Gefährdung  wirksam  begegnen  könnten.  Die  Überzeugung
von  der  unzerstörbaren  Kulturgemeinschaft  der  Schweizerdeutschen  mit
dem  deutschen  Gesamtvolke  findet  jedenfalls  mannhafte  Vertreter.  Vielleicht
  ist  auch  die  Hoffnung  nicht  unbegründet,  daß  die  Wirkung  des
Kaiserbesuchs  bei  den  Schweizer  Manövern  von  1912  das  unbegründete
  Mißtrauen  gegen  den  großen  Nachbarstaat  überwinden  hilft.  In
Osterreich  endlich  ist  gerade  seit  der  staatlichen  Trennung  vom  Deutschen
  Reich  das  Deutschbewußtsein  kräftig  aufgerüttelt  worden.  Deutschösterreich
  ist  heute  deutscher,  als  es  je  vorher  gewesen.  Für  den  reichsdeutschen
  Betrachter  mag  es  hart  erscheinen,  daß  die  heiße  Liebe  zu
der  angestammten  Sprache  und  Art  deutschen  Volksgenossen  einen
schweren  Kampf  um  ihr  nationales  Recht  aufnötigt.  Aber  dieser  Kampf
ist  kein  hoffnungsloser.  Der  Pessimismus,  der  in  unseren  nationalen
Kreisen  den  deutschösterreichischen  Verhältnissen  gegenüber  zuweilen  laut
wird,  ist  nicht  zureichend  begründet.  Deutschösterreich  ist  wie  die  deutsche
Schweiz  noch  heute  deutscher  Volksboden.  Nur  wo  der  Deutsche  auf  umstrittenem
  Grenzgebiet  oder  im  Bereich  einer  fremdsprachigen  Mehrheit
sitzt,  ist  der  Kampf  um  Sprache  und  Scholle  entbrannt.  Sehr  viel  breiter
ist  in  beiden  Staaten  der  Raum,  wo  deutsche  Sprache  und  Sitte  unangefochten
  heimatberechtigt  sind.

Das  Deutschtum  in  der  Zerstrenung.
Deutsche  Diaspora  in  Europa.

Deutsches  Leben  ist  nicht  auf  das  geschlossene  deutsche  Sprach=  und
Wohngebiet  Mitteleuropas  beschränkt  geblieben.  Weit  darüber  hinaus
hat  es  in  Europa  z.  T.  in  uralt  begründeten  Niederlassungen  und
bäuerlichen  Siedlungen  sich  verzweigt,  und  zu  ungezählten  Tausenden
sind  Deutsche  in  alle  Fernen  gezogen.  Deutsche  sitzen  heute  in  allen
wichtigen  Zentren  des  Weltverkehrs.  Alle  diese  Auslanddeutschen  sind
in  den  Bereich  fremder,  nichtdeutscher  Staaten  eingetreten.  Sie  bilden
„deutsche  Menschenkolonien  unter  fremder  Herrschaft“.  Aus  diesem
Rahmen  fallen  nur  die  Deutschen  unferer  Schutzgebiete  heraus;  auf
die  freie  Entfaltung  ihres  Volkstums  hat  eine  fremde  Staatsmacht
so  wenig  Einfluß  wie  auf  die  Deutschen  im  Reich.  Darum  ist  hier