42  Das  Deutschtum  in  der  Zerstreuung.  Deutsche  Diaspora  in  Europa

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Die  Frage,  wieweit  diese  amtlichen  Angaben  den  Tatsachen  entspre
chen,  soll  hier  nicht  untersucht  werden.  Nach  den  wenig  wählerischen
Praktiken  der  Nationalitätenermittelung  darf  man  vermuten,  daß  die
Ziffern  für  das  Magyarentum  zu  hoch,  für  die  übrigen  Völkerschaften
zu  niedrig  ausgefallen  sind.  Von  guten  Kennern  des  Landes  wird  die
Zahl  der  ungarländischen  Deutschen  auf  mindestens  2½  Million  geschät.


Vom  ungarländischen  Deutschtum  weiß  man  im  Deutschen  Reich
merkwürdig  wenig.  Allenfalls  mit  den  Siebenbürger  Sachsen  ist  man
hie  und  da  genauer  vertraut.  Es  hat  seinen  guten  Grund,  wenn  gerade
  diesem  Volksstamme  von  deutscher  Seite  eine  lebhaftere  Teilnahme
zugewendet  wird.  Seit  mehr  als  700  Jahren  sitzen  sie  im  Lande.  Sie
haben  sich  in  der  neuen  Heimat  eine  besonders  angesehene  Stellung
errungen  und  dabei  mit  festem  Willen  die  Kulturgemeinschaft  mit  der
Gesamtheit  des  deutschen  Volkes  festgehalten.  Die  Siebenbürger  Deutschen
  heißen  „Sachsen“,  sie  sind  ihrem  Ursprung  nach  Franken  aus  dem
Moselgebiet,  ihr  Grundstock  stammt  aus  dem  Luxemburgischen.  Im
12.  Jahrhundert  sind  sie  in  das  ferne  Land  der  Südkarpathen  gezogen.
  Eine  tapfere  Schar,  die  mit  dem  Schwerte  die  Grenze  Ungarns
gegen  wilde  Horden  des  Südostens  verteidigte  und  die  zugleich  in  unermüdlicher
  Arbeit  aus  Siebenbürgen  das  „Land  des  Segens“,  das
„Land  der  Fülle  und  der  Kraft“  gemacht  haben,  wie  es  im  „Sachsenliede“
  heißt.  Die  Könige  Ungarns  haben  diese  Deutschen  mit  Privilegien
  reich  ausgestattet.  Auf  dem  Königsboden  saßen  sie  zu  eigenem
Recht  unter  selbstgewählten  Oberen.  Neben  ihren  Dörfern  haben  sie
in  ihren  blühenden  Städten  wie  Hermannstadt  und  Kronstadt  wirkliche
  Kulturmittelpunkte  geschaffen.  Dann  kamen  seit  dem  ausgehenden
  Mittelalter  die  Tage  schwerer  innerer  Wirrnisse  und  der  von  außen
hereinbrechenden  Türkennöte.  Aber  auch  in  den  schlimmsten  Zeiten  blieb
die  Verbindung  mit  dem  deutschen  Mutterland  aufrecht  und  der  Ubertritt
  der  Deutschen  Siebenbürgens  zum  Luthertum  knüpfte  ein  neues
und  unzerreißbares  Band.  Die  Kirchen  in  den  deutschen  Dörfern  Siebenbürgens
  sind  Kirchenkastelle,  Burgen,  in  denen  zur  Zeit  der  Türkeneinfälle
  die  Bauern  Schutz  sanden  und  die  Möglichkeit  wirkungsvoller