Ungarn;  Bedrückung  der  Deutschen  47

der  deutschen  Sprache  empfehlen.  Denn  mit  dem  Studium  jeder  anderen
Sprache  würde  er  nur  ein  mehr  oder  weniger  großes,  aber  immerhin  beschränktes
  Feld  übersehen  können.  Die  Kenntnis  der  deutschen  Kultur  würde
ihm  allein  die  Kenntnis  der  ganzen  Kultur,  der  Kultur  beinahe  aller  jetzt
noch  lebenden  Nationen  vermitteln.“

Es  ist  begreiflich,  daß  die  Rede  des  Magyaren  in  der  deutscher  Reichshauptstadt
  beifällige  Aufnahme  fand.  Die  rührende  Bescheidenheit  des
Eingangs,  der  stolze  Hymnus  auf  die  deutsche  Kultur  weckten  bei  harmlosen
  Hörern  begeisterten  Widerhall.  Seltsam  nur,  daß  derselbe  Graf
Apponyi  in  Ungarn  als  Unterrichtsminister  mit  Hochdruck  an  der  Zerstörung
  der  deutschen  Schule  arbeitete.  Selbst  den  Reichsdeutschen  in
Ofenpest  war  die  staatliche  Genehmigung  der  von  ihnen  für  ihre  Kinder
begehrten  Lehranstalt  mit  deutscher  Unterrichtssprache  versagt  geblieben.
Als  unmittelbar  nach  der  Berliner  Rede  Apponyis  in  Ofenpest  endlich
  eine  deutsche  Privatschule  ausschließlich  für  Kinder  reichsdeutscher
Familien  begründet  wurde,  da  erhob  sich  ein  Sturm  der  Entrüstung
in  der  magyarischen  Presse  über  diese  neue  pangermanische  Brutstätte.
Graf  Appony  suchte  zu  beschwichtigen.  Den  magyarischen  Heißspornen
versicherte  er,  daß  die  Schule  keine  staatliche  Bestätigung  erhalten  habe,
den  Reichsdeutschen  versprach  er,  daß  die  Schule  nicht  gestört  werden
solle.  Es  kam  schließlich  darauf  hinaus,  daß  in  der  Hauptstadt  Ungarns
  die  angeblich  wichtigste  Kultursprache  wie  etwas  halb  Illegitimes
nachsichtig  geduldet  wurde.  Erst  1910  unter  dem  Ministerium  Khuen-Hedervary
  ist  die  Bestätigung  der  Schule  unter  allen  möglichen  Vorbehalten
  erfolgt,  wahrscheinlich  auf  einen  sanften  Druck  von  Berlin
her.  Es  würde  ein  eigenes  Buch  füllen,  wollte  man  die  magyarischen
Maßnahmen  gegen  das  Deutschtum  übersichtlich  aufführen.  Die  deutsche
Schule  ist  in  Ungarn,  abgesehen  von  Siebenbürgen,  nahezu  vernichtet,
die  deutsche  Sprache  nach  Möglichkeit  verdrängt.  Gegen  das  deutsche
Theater  und  gegen  die  deutschnationale  Presse  wird  ein  erbitterter  Kampf
geführt.  Die  alten  deutschen  Ortsnamen  sind  magyarisiert,  und  nach
Krästen  wird  die  Magyarisierung  der  Familiennamen  betrieben.  Die
krankhafte  Überreizung  des  magrarischen  Nationalgefühls  gibt  sich  in
tausend  kleinen  Zügen  kund.  Am  wildesten  gebärden  sich  dabei  die  zahlreichen
  Uberläufer,  die  ihren  magyarischen  Patriotismus  erst  noch  beweisen
  zu  müssen  glauben.

Seit  1867  ist  das  Magyarentum,  das  sich  der  habsburgischen  Herrschaft
  niemals  ohne  Vorbehalt  untergeordnet  hat,  zu  einer  Kampfstellung
nicht  nur  gegen  Osterreich,  sondern  auch  gegen  die  nichtmagyarischen