Ungarn;  Zukunft  der  deutschen  Sprache.  —  Ausblick  51

sondern  den  deutschen  Geist.  der  mit  ihr  den  D  Deutschungarn  immer
wieder  in  die  Seele  dringt.

Die  Siebenbürger  Sachsen  scheinen  in  ihrer  festen  deutschen  Gesinnung
fürs  erste  nicht  ernstlich  gefährdet.  Aber  der  Deutsche  ist  nach  den  Erfahrungen
  der  letzten  Jahrzehnte  auch  anderwärts  in  Ungarn  darauf
gestoßen  worden,  was  der  ungehemmte  Fortgang  der  eifrig  betriebenen
Magyarisierung  für  seine  Kinder  und  Kindeskinder  bedeutet.  Namentlich
  unter  den  südungarischen  Schwaben,  dem  an  Zahl  stärksten  dentschen
  Stamm,  regt  sich  ein  kräftiges  deutsches  Empfinden.  Auch  in  Westungarn
  reibt  der  deutsche  Michel  sich  den  Schlaf  aus  den  Augen.  Andernorts
  ist  freilich  die  nationale  Spannkraft  bei  den  Deutschen  allmählich
erschlafft.  So  in  Ofenpest  und  Umgegend,  ebenso  in  der  Zips,  wo  die
aufstrebende  deutsche  Intelligenz  nahezu  restlos  ins  Magyarenlager
übergeht  und  die  Massen  der  Slowakisierung  verfallen.  Aber  auch  hier
ist  ein  Wandel  nicht  unbedingt  ansgeschlossen.  Ganz  abgesehen  von  den
kulturellen  Notwendigkeiten  neht  der  ungarische  Staat  in  mannigsachen
Verknüpfungen,  dic  eine  weitergehende  Unterdrückung  des  Deutschtums
  widerraten.  Am  wenigsten  kommt  dabei  das  Bündnis  mit  dem
Dentschen  Reich  in  Betracht.  Nach  Lage  der  Dinge  fühlt  das  Deutsche
Reich  sich  nicht  berufen  und  befugt,  in  die  inneren  Verhältnisse  eines
befreundeten  Staates  einzugreifen.  Aber  ganz  gleichgültig  ist  für  Ungarn
  doch  auch  die  Stimmung  der  reichsdeutschen  Bevölkerung  nicht.
Das  gute  Einvernehmen  hat,  wie  das  Zustandekommen  der  letzten  ungarischen
  Staatsanleihe  zeigt,  für  Ungarn  seine  Annehmlichkeiten.  Es
könnte  docheinigermaßen  gedämpft  werden,  wenn  einreizbarer  werdendes
Volksempfinden  bei  uns  den  derzeitigen  inneren  Zuständen  des  magyarischen
  Staates  mit  lebhafterer  Anteilnahme  sich  zuwendete.  Vor  allem
aber  sind  es  die  2½  Millionen  Deutscher  im  Lande  selbst,  die  so  leicht
nicht  fortzuwischen  sein  werden,  nanientlich  nicht,  seitdem  ihr  deutsches  Bewußtsein
  sich  zu  regen  beginnt.  Und  dieser  recht  beträchtliche,  kulturell
außerordentlich  wertvolle  Volkstell  gewinnt  für  das  Magyarentum  eine
ganz  neue  Bedentung,  seit  die  südflawischen  Absonderungspläue  festere
Gestalt  annehmen.  Die  Durchführung  des  „krialistischen"  Gedankens
müßte  Ungarn  vom  Meerc  abschnüren  und  seine  Eutwickiung  zukunftslos
  gestaften.  Es  spricht  so  doch  manches,  auch  vom  ungarischen  Standpunkt,
  für  eine  schonungsvollere  Behandlung  des  dortigen  Deutschtums.
Das  wohlbegründete  Auerkenntnis,  das  heute  den  Siebenbürger  Sachsen
von  magyarischer  Seite  zuteil  wird,  daß  sie  die  Treue  gegen  den  Staat

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