Rußlaud;  Deutschtum  in  den  Städten  61

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in  n  großer  Zahl  auf.  Deutsche  Arzte  erfreuen  sich  eines  bedeutenden  Rufes.
Dazu  das  altbegründete  Ansehen  der  deutschen  Unterrichtsanstalten,
denen  auch  Angehörige  russischer  Familien  anvertraut  werden.  Daneben
  weisen  freilich  andere  Momente  auf  den  Niedergang  des  deutschen
  Kultureinflusses.  Die  St.  Petersburger  Zeitung,  das  älteste  Blatt
in  Rußland,  die  ihrem  200  jährigen  Jubiläum  entgegensieht,  ist  von
den  russischen  Zeitungen  weit  überholt.  Seit  1890  das,  ausgangs  des

8.  Jahrhunderts  begründete,  deutsche  Hoftheater  seine  Pforten  geschlossen
  hat,  gibt  es  kein  großes  ständiges  deutsches  Theater  mehr,  und
in  der  Akademie  der  Wissenschaften,  deren  Mitglieder  in  den  ersten
hundert  Jahren  ihres  Bestehens  vorwiegend  Deutsche  waren,  werden
die  deutschen  Namen  seltener.  —  Noch  deutlicher  ist  der  Rückgang  in
Moskau.  Nur  in  Handel  und  Industrie  hat  der  Deutsche  auch  dort
noch  eine  bedeutende  Stellung  inne,  in  den  freien  Berufen  und  im  Handwerk
  ist  er  nur  schwach  vertreten.  Dabei  überwiegen  unter  den  Deutschen
  die  Reichsdeutschen.  Die  Zahl  der  Balten  ist  gering.  Die  Verrussung
  macht  unverkennbare  Fortschritte.  Moskau  hat  drei  lutherische
Gemeinden.  Zwei  davon  unterhalten  große  Kirchenschulen.  In  einer
ist  bereits  die  russische  Unterrichtssprache  eingeführt.  Es  gibt  in  Moskau
noch  eine  deutsche  Zeitung,  aber  der  deutsche  Klub  ist  nur  noch  dem
Namen  nach  deutsch.  —  In  Warschau  wohnten  1897  15000  Deutsche.
Ihre  Zahl  istderzeit  aufetwa  10.000  gesunken.  Deutscher  Zuzug  fehlt.  Die
Zuwendung,  hier  nicht  zum  Russentum,  sondern  zum  Polentum,  nimmt
überhand.  Darauf  wirkt  namentlich  die  offizielle  Leitung  der  deutsch-lutherischen
  Gemeinde  unter  dem  Generalsuperintendenten  Bursche  ein.  —
Odessa  zählte  1897  etwas  über  10000  Deutsche,  die  überwicgend  im
Handel  tätig  waren,  darunter  viele  Reichsdeutsche  und  Deutschösterreicher.
  Obgleich  in  steigender  Zahl  Söhne  von  Kolonistendeutschen
zuziehen,  die  den  städtischen  Berufen  sich  zuwenden,  ist  eine  Zunahme
des  deutschen  Bevölkerungsteils  nicht  zu  vermerken.  —  Dagegen  ist  in
Saratow,  dem  städtischen  Mittelpunkt  der  Wolgakolonien,  die  bereits
10000  Seelen  übersteigende  Zahl  der  Deutschen  im  Wachsen.  Allerdings
  findet  sich,  entsprechend  der  z.  T.  ungünstigen  Wirtschaftslage  der
Wolgadeutschen,  ein  deutsches  Proletariat  ein,  das  vorzugsweise  dem
Arbeiterstand  zuströmt.  —  Ein  wirklich  kräftiges  Aufblühen  des  städtischen
  Volkstums  ist  nur  in  Lodz,  dem  russischen  Manchester,  zu  verzeichnen.
  Dort  hat  seit  der  Zählung  von  1897  die  Zahl  der  Deutschen
von  70000  auf  über  100000  sich  gehoben.  Und  das  gleiche  Bild  bieten

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