Deutsche  Uberseewanderung.  —  Ver.  Slaaten.  Denische  Leistungen  69

Die  Deutschen  Amerikas  waren  ausgezeichnete  K  alonisatoren  Ihre
Leistungen  als  bäuerliche  Siedler  sind  unübertrossen.  Die  deutschen
Dörfer  Pennsylvaniens  werden  noch  heute  als  Garten  Amerikas  gerühmt.
Diese  Deutschen  standen  in  der  vordersten  Reihe,  wo  es  galt  den  Urwald
  zu  roden  und  der  Wildnis  blühende  Felder  abzugewinnen.  Sie
scheuten  keine  Mühe  und  keine  Gefahr.  Mit  Vorliebe  haben  sie  an  der
Indianergrenze  sich  festgesetzt.  Mit  mutigem  Nioniersinn  sind  sie  mestwärts
  vorgedrungen.  An  der  von  Pennsylvanien  aus  begonnenen  Erschließung
  des  Westens  haben  sie  einen  hervorragenden  Anteil.  In  guen
wichtigeren  Zweigen  des  Wirtschafts=  wie  des  Kulturlebens  hahen  sie
sich  rühmlich  hervorgetan.  Von  den  Verdiensten  einzelner,  wie  z.  B.
Karl  Schurz,  zu  reden,  ist  hier  kein  Raum.  In  den  großen  Kämpfen
drüben  standen  die  Deutschen  immer  geschlossen  auf  der  Seite,  wo  das
Recht  und  die  Freiheit  der  neuen  Heimat  zu  verteidigen  war.  Im  Unabhängigkeitskrieg
  stellten  sie  tüchtige  Truppen  und  2zhmreiche  bübrer.
Noch  bedeutender  erscheint  ihre  Beteiligung  am  Sezessionskrieg,  für  den
sie  etwa  200  000  Mann,  über  100  Obersten  und  gegen  20  Generale
aufbrachten.  Schwerer  noch  als  ihre  Kriegstaten  und  ihre  wirtschaftliche
  Friedensarbeit  wiegt,  was  die  Deutschen  an  inneren  Schätzen  ihres
Volkstums  dem  neuen  Gemeinwesen  zugeführt  haben.  Ein  deutschamerikanischer
  Forscher,  Julius  Goebel,  umschreibt  mit  knappen  Worten  die
tiefste  Einwirkung  von  deutschamerikanischer  Seite:  „In  die  düster  pro—
saische  Lebensführung  des  Puritanismus  hat  der  Deutsche  den  Frohsinn
  und  die  Poesic  des  Lebens  getragen,  in  den  rohen  Materialismus
  von  Dollaria  die  Schätzung  idealer  Güter  und  gründliches  deutsches
  Denken,  freie  Sittlichkeit  und  wahre  Geistesereih  cit.“  Und  dech
haben  die  Deutschen  keinen  Erfolg  im  nationalen  Sinne  erzielt.  Ihre
größere  Hälfte  isi  im  Amerikanertum  aufgegangen,  und  soweit  sie  deutsch
geblieben  sind,  d.  h.  Deutsch  als  Muttersprache  sprechen  und  bewußt
an  deutscher  Art  und  Sitte  festhalten,  sind  sie  doch  nicht  als  Deutsche
in  irgendeinem  politisch  gewendeten  Sinne  anzusprechen,  sondern  —mit
Ausnahme  der  wenigen,  die  ihre  Reichsangehörigkeit  gewahrt  haben,
—  als  Deutschamerikaner,  die  im  öffentlichen  Leben  ihres  Stgatswesens
für  ihre  Sprache  und  für  ihre  Nationalität  kein  besonderes  Recht  erstritten
  haben.  Um  das  zu  verstehen,  muß  man  sich  gegenwärtig  halten,
daß  Deutsche  in  wirklich  beträchtlicher  Zahl  erst  seit  dem  19.  Jahrhundert
  in  Amerika  eintrafen.  Durch  mehr  als  150  Jahre  hatten  vorher
die  Stammstgaten  der  heutigen  Union  unter  englischer  Herrschaft  ge-