72  Das  Temschtum  in  über  c

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einzelnen  Bezirken  Pennsylvaniens  erlangien  sie  das  Übergewicht,  nicht
im  ganzen  Staate.  1790  wurden  in  Pennsylvanien  unter  434  373  Einwohnern
  kaum  150000  Deutsche  gezählt.  In  allen  Staaten  betrug  1790
bei  einer  Gesamtbevölkerung  von  3329  214  Seelen  die  Zahl  der  Deutschen
  360u000.  Daß  der  Einfluß  selbst  dieser  geringen  Zahl  sich  fühlbar
machte,  läßt  die  Außerung  Benjamin  Franklins  erkennen,  wenn  man
nicht  Gegenmaßregeln  ergriffe,  würden  „sie  die  anderen  Elememe  germanisieren,
  anstatt  daß  wir  sie  anglisieren“.  Nach  deutschen  Darstellungen
  der  amerikanischen  Geschichte  hat  einstmals  für  die  deutsche
Sprache  die  Möglichkeit  bestanden,  als  Landessprache  anerkannt  zu
werden.  Kurz  nach  dem  Unabhängigkeitskrieg  soll  im  amerikanischen
Kongreß  bei  der  Abstimmung  über  die  Annahme  des  Deutschen  oder
des  Englischen  als  Landessprache  Stimmengleichheit  sich  ergeben  und
die  Stimme  des  deutschen  Kongreßvorsitzenden  zugunsten  der  englischen
Sprache  entschieden  haben.  Das  ist  Leckende.  Eine  solche  Abstimmung
hat  im  Kongreß  niemals  stattgefunden.  Sie  wäre  auch  in  keinem  Einzelstaate
  denkbar  gewesen,  nicht  einmal  in  Penusylvaniten.  So  stand  es
am  Ausgang  des  18.  Jahrhunderts.  Die  Wirren  der  Napolernischen
Kriege,  die  namentlich  in  den  Jahren  der  Kontinentalsperre  und  des
englisch-amerikanischen  Krieges  die  Secverbindung  zwischen  Europa
und  Amerika  hemmten  oder  unsicher  machten,  haben  für  reichlich  ein
halbes  Menschenalter  den  Zuwandererstrom  unterbrochen.  Damals
gingen  die  deutschen  Auswanderer  wieder  in  stärkerem  Zuge  nach  dem
Osten  Europas,  nach  Rußland  und  Ungarn.  In  Amerika  aber  schritt
in  dieser  Zeit  des  stockenden  Nachschubs  aus  der  Alten  Welt  die  Amerikanisierung
  der  fremdsprachigen  Minderheiten  in  beschleunigtem  Maße
voran.  Gebildete,  geistig  hochstehende  Deutsche  fanden  in  etwas  beträchtlicher
  Zahl  erst  im  zweiten  Drittel  des  vorigen  Jahrhunderts
sich  ein.  Es  waren  zumeist  politische  Flüchtlinge,  dic  im  Groll  dem
Vaterland  den  Rücken  gekehrt.  In  ihrer  Mehrheit  humanistisch  geschult,
nicht  national  erzogen,  waren  sie  zum  Kulturdünger  geradezu  vorherbestimmt.
  Nur  geschlossene  bäuerliche  und  kleinstädtische  Siedelungen,
die  sich  deutscher  Seelsorge  und  damit  meist  auch  deutscher  Schulen
erfreuten,  sind  deutsch  geblieben,  besonders  wenn  durch  regelmäßigen
Nachschub  aus  der  Heimat  eine  stetige  Auffrischung  des  deutschen  Blutes
sich  ergab.  In  gemischten  Bezirken  und  durchweg  in  den  größeren
Städten  ist  der  nationale  Untergang  unter  fortgesetzten  Opfern  hauptsächlich
  durch  solchen  Zuzug  abgewendet  worden.