76  Das  Deutschtum  in  lbersee

dem  Präsidenten  der  Vereinigten  Staaten,  seinen  Ministern  sowie  den  Senatoren
  und  Repräsentanten  des  Kongresses  mitzuteilen.“

Die  Chikagoer  Tagung  ist  der  Ausgangspunkt  für  einen  festeren
Zusammenschluß  der  Deutschamerikaner  geworden.  Am  16.  April  1899
wurde  zunächst  in  Philadelphia  der  deutschamerikanische  Zentralbund
von  Pennsylvanien  gegründet.  Eine  rege  Werbetätigkeit  arbeitete  auf
eine  umfassendere  Organisation  hin,  und  am  6.  Oktober  1901  trat,
wiederum  zu  Philadelphia,  der  Deutschamerikanische  Nationalbund  ins
Leben.

Der  Nationalbund  stellt  eine  Zusammenfassung  deutscher  Vereine
in  den  Vereinigten  Staaten  dar.  Er  zählt  heute  nahe  an  zwei  Millionen
  Deutschamerikaner  als  Zugehörige.  Sein  einfaches  Programm
zielt,  fern  von  jeder  Parteipolitik,  auf  die  Erhaltung  der  deutschen
Sprache  und  Kulinr.  Seine  politische  Einwirkung  beschränkt  sich  auf
die  Abwehr  von  Maßnahmen,  die  das  Deutschtum  schädigen  würden.
So  versucht  der  Nationalbund  im  Verein  mit  den  Iren  ein  Bündnis
der  Vereinigten  Staaten  mit  Großbritannien  zu  verhindern.  Weiter
bekämpft  er  ungesunde  Einwanderungsbeschränkungen  und  die  puritanischen
  Übertreibungen  der  Temperenzbewegung  und  der  Sonntagsheiligung.
  Positiv  bemüht  sich  der  Bund  um  alles,  was  der  Erhaltung
des  Deutschtums  förderlich  ist.  Er  will  für  die  Deutschamerikaner  deutsche
  Schulen  begründet  sehen,  wo  sie  noch  fehlen,  nicht  nur  Volksschulen,
sondern  auch  Fortbildungsschulen,  er  drängt  auf  Einführung  der  deutschen
  Sprache  als  Unterrichtsgegenstand  in  den  öffentlichen  Schulen,
auf  die  Pflege  deutschen  Gesangs,  deutschen  Turnwesens,  deutscher  Dichtung,
  deutscher  Bühnenkunst,  auf  Förderung  und  Verbreitung  der  deutschen
  Presse,  endlich  auf  gründliche  Erforschung  der  amerikanischen  Geschichte.
  Albert  J.  W.  Kern,  Ehrenpräsident  der  vereinigten  deutschen
Gesellschaften  in  Neuyork,  hat  im  Oktober  1907  auf  der  Neuyorker
Generalversammlung  des  Bundes  erklärt:  „Die  amerikauische  Geschichte
muß  umgeschrieben  werden.“  Kern  forderte,  daß  der  Anteil  der  Deutschen
  am  Ausbau  der  Vereinigten  Staaten  in  die  Geeschichtsbücher  der
amerikanischen  Schulen  unverkürzt  und  unverfälscht  eingetragen,  und
daß  der  englisch-amerikanische  Anteil  in  das  richtige  Größenverhältnis
zum  deutschen  und  holländischen  Anteil  gebracht  werde.  Er  schloß  mit
den  Worten:

„Wenn  unsere  Kinder  die  ruhmreichen  Taten  kennen  lernen,  die  die  Deutschen
  daheim  und  draußen  geten,  wenn  sie  in  der  Schule  erfahren,  daß  heute