Bereinigte  Staaten;  Deutschamerikanischer  Nationalbund  77

Deutschland  und  nicht  England  an  der  Spitze  der  Kultur  und  Zivilisation
der  Völker  marschiert,  dann  wird  das  jugendlich  empfängliche  Gemüt  begeistert
zu  den  hehren  Vorbildern  einer  großen  deutichen  Vergangenheit  und  Gegenwart
  emporblicken.  Mit  Stolz  werden  sie  dann  zu  deren  Nachkommen  gehören
  wollen.  Sie  werden  uns  erhalten  bleiben,  zum  Ruhm  ihrer  selbst,  unseres
teueren  alten  Vateriandes  und  zum  Segen  der  Vereinigten  Staaten.  Uberdies
ist  die  Forderung  einer  besseren  Orientierung  der  amerikanischen  Geschichte
nur  eine  Forderung  der  Gerechtigkeit  und  der  Wahrheit.“

In  der  Tai  erwächst  aus  den  einschlägigen  Studien  immer  klarer  die
zuverlässige  Kunde  von  den  bislang  zu  sehr  in  den  Schatten  gestellten
Leistungen  der  Deutschamerikaner  für  ihre  neue  Heimat.

Die  Einwirkungen  der  neuen  Umwelt,  die  Blutmischung  mit  fremdem

Volkstum  übt  naturgemäß  ihre  Wirkung  auf  die  Deutschamerikaner.
Dem  trägt  die  weitherzige  Auffassung  Rechnung,  die  in  dem  Protokoll
der  5.  Konvention  des  Nationalbundes  vom  Oktober  1909  zu  Cincinnati
  vertreten  wird:
„„Auch  unser  Deutschtum  kennt  keine  politischen  Grenzen.  Für  uns  ist
jeder  ein  Deutscher,  der  Gefühl  für  die  Größe  der  deutschen  Kulturgemeinschaft
  hat,  jeder,  der  sich  dieser  Gemeinschaft  gegenüber  dankbar  und  verpflichtet
  fühlt,  jeder,  der  sich  gegen  Abfall  und  Schädigung  wehren  will.  Denn
das  Deutschtum,  können  auch  wir  sagen,  liegt  uns  „im  Gemüte  —  nicht  im
Geblüte“".“

Die  Bewegung  ist  noch  zu  jung,  als  daß  heute  schon  zu  übersehen
wäre,  welchen  dauernden  Erfolg  das  Streben  der  Männer  zeitigen
wird,  die  den  deutschen  Gedanken  auch  als  Bürger  der  Neuen  Welt
hochzuhalten  gewillt  sind.  Unter  allen  Umständen  bleibt  dem  Nationalbund
  noch  viel  zu  tun.  Noch  lange  nicht  das  ganze  Deutschtum  ist
drüben  ermeckt.  Und  unter  den  Anglo-Amerikanern  sind  Nativismus
und  Jingoismus  noch  immer  eine  Macht.  Gewiß  hat  gerade  das  mannhafte
  Eintreten  für  die  Sache  des  Denuschtums  Eindruck  gemacht.  Die
Zeiten  sind  vorüber,  da  in  der  amerikanischen  Theaterposse  der  Deutsche
die  komische  Figur  abgab,  ein  gutmütiger,  etwas  schwerfälliger  Tölpel,
der  von  allen  gehänselt  wird  und  der  stets  das  Nachsehen  hat,  weil
er  überall  zu  spät  kommt.  Und  auch  die  Beziehungen  der  Union  zu
dem  neuen  Dentschland  der  Alten  Welt  haben  sich  gründlich  gewandelt.
Im  Professorenaustausch  gibt  die  steigende  Wertschätzung  der  deutschen
Wissenschaft  sich  kund.  Der  Empfang,  der  dem  Prinzen  Heinrich  zuteil
wurde,  die  Anfnahme,  die  Großadmiral  Köster  bei  der  Fultonfeier  gefunden
  hat,  legen  Zeugnis  für  eine  veränderte  Stimmung  ab.  Es  streiten
im  Amerikanertum  Besorgnis  und  Anerkennung  gegenüber  dem  neuen