V.  St.;  Drohende  Amerikanisierung.  —  Ausblick  81

Das  gewaltige  Reich  der  Union  ist  in  jeder  Beziehung  noch  im  Werden
begriffen.  Wir  wissen  nicht,  wie  weit  die  politische  Herrschaft  der  Umon
sich  ausdehnt.  Das  ungeheure  Fortschreiten  der  politischen  Macht
des  Amerikanertums  hat  einen  sehr  wesentlichen  Grund  in  der  eifersüchtigen
  Spannung  der  europäischen  Mächte.  Ob  hinsichtlich  der  europäischen
  Zwiespältigkeiten  ein  wirksamer  Wandel  eintritt,  steht  dahin.
Wir  wissen  ebensowenig,  welche  Zukunft  die  Yankeerasse  hat.  Das  alte
BYankeetum,  das  maßgebend  durch  englisches  Blut  bestimmt  war,  ist
unzweifelhaft  schon  heute  stark  abgewandelt.  Amerikanische  Beobachter
  haben  den  Gedanken  ausgesprochen,  daß,  während  in  Britannien
die  germanischen  Angelsachsen  bis  zu  gewissem  Grade  romanisiert  worden
  sind,  in  Amerika  das  Angelsachsentum  wieder  in  stärkerem  Maße
germanisch  beeinflußt  würde.  Das  konnte  zutreffend  erscheinen,  solange
Deutsche,  Holländer  und  Skandinavier  die  Hauptmasse  der  nichtenglischen
  Einwanderer  stellten.  Aber  das  ist  heute  bekannilich  nicht  mehr
der  Fall.  Italiener,  alle  Zweige  der  flawischen  Bölkerfamilie,  russische
und  rumänische  Juden  bilden  den  neuen  Zuzug.  Schon  die  heutige
amerikanische  Mischbevölkerung  könnte  sich  erst  in  einem  durch  eine
Reihe  von  Geschlechtern  fortgesetzten  Verschmelzungsprozeß  zu  einer
neuen  Rasseneinheit  umgestalten.  Was  aber  wird  aus  den  Millionen
von  Negern,  und  welcher  Ausblick  eröffnet  sich,  wenn  die  Union  ihren
Herrschaftsbereich  südwärts  ausweitet?  Amerika  ist  auch  in  bezug  auf
die  Entwicklung  der  Rasse  das  Land  der  unbegrenzten  Möglichkeiten.  —
Vollig  klar  ist  nur  der  bisherige  Verlauf  der  Entwickelung  und  der
heutige  Stand  der  Dinge.  Danach  hat  das  deutsche  Element  in  den
Vereinigten  Staaten  die  schwersten  Verluste  im  völkischen  Sinne  zu
verzeichnen.  Wenn  neuerdings  unter  den  Deutschamerikanern  der  bewußte
  Wille  lebendiger  geworden  ist,  von  der  angestammten  Sprache
und  Art  zu  retten,  was  noch  zu  retten  ist,  so  solldas  doch  ihrer  Staatstreue
keinen  Eintrag  tun.  Sie  sind,  abgesehen  von  dem  unbeträchtlichen  Bruchteil,
  der  die  deutsche  Staatsangehörigkeit  sich  wahrt  und  der  nur  gastweise
  im  Lande  weilt,  Angehörige  der  Union  und  fühlen  sich  als  solche.
Amerika  ist  ihr  Vaterland.  Dort  haben  sie  Wurzeln  geschlagen  und
dort  soll  die  Zukunft  ihrer  Kinder  erblühen.  Die  Bezeichnung  „national“
  im  Namen  der  großen  deutschamerikanischen  Vereine,  wie  „Nationaler
  deutschamerikanischer  Lehrerbund“  oder  „Deutschamerikanischer
Nationalbund“  ist  selbstverstäudlich  nicht  im  Sinne  von  „deutschnational“,
  sondern  von  „amerikanische  national“  zu  verstehen.  Es

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