Vereinigte  Staaten;  Ausblick  83

trägt,  daß  unsere  eigenen  gebelverkrrdnnne  sinheneen  Englands  noch
allzuweit  zurückgeblieben  sind.  Es  wäre  denkbar,  daß  die  Entwickelung
  der  drahtlosen  Telegraphie,  an  der  die  deutsche  Wissenschaft  einen
so  bedeutsamen  Anteil  hat,  die  Sachlage  rascher,  als  vordem  zu  hoffen
stand,  zu  unseren  Gunsten  umgestaltet.  Das  Wichtigste  bleibt  doch,  wie
weit  das  Deutsch-Amerikanertum  aus  eigener  Kraft  sich  behauptet,  wie
weit  es  ihm  gelingt,  das  Gesühl  des  Stolzes  auf  die  deutsche  Abstammung
  und  das  Verlangen  nach  Aufrechterhaltung  der  Kulturgemeinschaft
  mit  dem  deutschen  Volk  auf  Kind  und  Kindee  kinder  zu  vererben.
Vom  Standpunkt  des  Deutschen  Reiches  aus  ist  eine  verstärkte  Zuwanderung
  nach  den  Vereinigten  Staaten  nicht  zu  wünschen,  selbst  dann
nicht,  wenn  das  Deutschtum  in  Amerika  nur  durch  weileren  Nachschub
aus  der  alten  Heimat  zu  halten  wäre.  Heute  ist  ja,  wie  schon  oben  (S.  68)
bemerkt  wurde,  die  stark  rerminderte  reichsdentsche  Einwanderung  nach
den  Vereinigten  Staaten  zum  größten  Teil  durch  verm  andtschastliche
Beziehungen  zu  Deutschamerikanern  bedingt.  Ein  Einspruch  gegen  das
gewählte  Einwanderungsziel  wäre  unter  solchen  Umständen  wirkungslos.
  Auch  darauf  ist  bereits  hingewiesen,  daß  heute  in  stärkerer  Zahl
als  Reichsdeutsche  Deutschrusen,  Schweizerdeutsche  und  Deutsche  aus
Osterreich-Ungarn  in  die  Neue  Welt  strömen.  Die  Gesamtheit  des  deutschen
  Bolkes  sieht  also  noch  immer  einen  erheblichen  Bruchteil  seiner
Stammesgenossen  dem  großen  transatlautischen  Gemeinwesen  überantwortet.
  Und  auch  aus  dem  Reich  könnte  die  Zahl  der  Auswanderer
sich  mehren.  Jede  länger  andanernde  Herabdrückung  unserer  Wirtschaftslage
  könnte  eine  solche  Wendung  herbeiführen.  Dann  wäre  im
nationalen  Interesse  eine  in  die  weitesten  Kreise  dringende  Belehrung
über  die  zu  bevorzugenden  Auswanderungsgebiete  ernstlich  geboten.
Schon  heute  könnte  man  versucht  sein,  all  deuen,  die  nicht  durch  persönliche
  Beziehungen  und  mit  festen  Aussichten  nach  drüben  geführt
werden,  die  Auswanderung  nach  den  Vereinigten  Staaten  zu  widerraten.
  Die  Aussichten  und  Gelegenheiten  sind  heute  nicht  mehr  so  verlockend
  als  vorzeiten,  als  man  drüben  menschliche  Krafte  brauchte,  als
wahllos  jeder  Zuwandernde  aufgenon  men  wurde  und  Land  noch  unter
außerordentlich  günstigen  Bediugungen  zu  erlangen  war.  Schon  rein
wirtschaftlich  liegen  heute  die  Verhältnisse  an  mehr  als  einer  anderen
Stelle  günstiger.  Unter  nationalem  Gesichtspunkte  könnte  man  vollends
zweiseln,  ob  es  gut  getan  ist,  drohende  Verluste  durch  neuen  Einfatz

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