Mittel=  u.  Südamerika;  Unabhängigkeilserklärung  Lateinamerikas  35

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abhängigkeiti  immer  wieder  die  schwersteni  inneren  Crschütterungen  durchgemacht.
  Nur  die  Südstaaten  Südamerikas,  die  ein  abgeklärtes,  don
Neger=  und  Indianerblur  weniger  beeinflußtes  Volkstum  aufsweisen,
sind  allmählich  in  ruhigere  Bahnen  eingelenkt.  Sie  erscheinen  heute  als
die  zukunftsreichsten  Gebiete  Latein-Amerikas.

Als  im  ersten  Viertel  des  vorigen  Jahrhunderts  die  Unabhängigkeitsbewegung
  der  mittel-  und  südamerlkanischen  Völker  einsetzte,  da
hat  man  in  den  Vereinigten  Staaten  die  Vorgänge  mit  größter  Aufmerksamkeit
  verfolgt.  Die  Vereinigten  Staaten  beeilten  sich,  die  neuen
Freistaaten  anzuerkennen  und  mit  ihnen  Handelsverträge  zu  schließen.
Um  jede  politische  Einmischung  Europas  fernzuhalten,  stellten  sic  die
Mouroedoktriu  auf:  „Amerlika  den  Amerikanern“  Vor  allem  erwarteten
  sie  dabei  eine  Kräftigung  ihres  eigenen  Handels.  England  rüstete
sich  gleichfalls,  seine  geschäftlichen  Interessen  zu  fördern,  und  auch  Frankreich
  war  am  Platz.  In  Deuischland  sind  es  zunächst  allein  die  Hansestädte
  gewesen,  in  denen  die  Bedentung  der  politischen  Umwalzung
Mittel-=  und  Südamerikas  gewürdigt  wurde.

Schon  die  Unabhängigkeitserklärung  der  englischen  Kolonien  Nordamerikas
  hatte  eine  wichtige  Etappe  in  der  Eniwickelung  des  neuhansischen
Handels  gebildet.  Noch  weit  aussichtsreicher  erschien  die  Eröfnung  Südamerikas.
  Die  ersten  Hamburger  Firmen  begehrten  die  Anerkennung
der  neuen  Freistaaten,  wie  sie  zuerst  von  seiten  der  Union  erfolgt  war.
Nach  der  Freiwerdung  Vrasiliens  äußerte  die  Hamburger  Kommerzdeputation
  sich  in  einem  Schreiben  an  den  Hamburger  Senat  mit  nahezu
enthusiastischen  Worten:  „Es  tritt  eine  neue  Epoche  in  der  Handelsgeschichte
  ein,  gleich  der,  wie  Amerika  enideckt  und  der  Weg  um  Afrika
herum  gefunden  ward.  Der  Welthandel  nimmt  einen  neuen  Schwung.
Die  alte  Handelepolitik  stürzt.  Es  sind  neue  Ausichten,  die  sich  Bahn
brechen  durch  den  Gang  der  veränderten  Zeiten.“  Dem  versammetten
„Ehrbaren  Kaufmann“  verkündete  der  Präses  der  Korporation  in  sichtlich
  gehobener  Stimmung:  „Hamburg  hat  Kolonien  bekommen!  Der
Hamburger  Senat  ging  nicht  so  stürmisch  vror.  Man  knüpfte  nur  vertrauliche
  Besprechungen  mit  den  Vertretern  der  neuen  Freistaaten  an.
Jedenfalls  sicherte  man  sich  direkte  Verbindungen,  und  die  Kommerzdeputation
  faßte  als  nächstes  Ziel  ins  Auge:  Hamburg  müsse  „als
erster  Seehafen  Deutschlands  seinen  Platz  behaupten,  dem  inneren
Deutschland  den  Handel  öffnen  nach  anderen  Gegenden,  nicht  die  Hände
in  den  Schoß  legen,  nicht  den  Kaufmann  des  inneren  Deutschland  seine