100  Das  Deutschtum  in  Übersee

anschlagt  die  deutsche  Gesamteinwanderung  auf  60—65,.000  Seelen.
Die  Zahl  der  Deutschen  müßte  heute,  ohne  nationale  Verluste,  auf
mindestens  150000  angewachsen  sein,  in  Wirklichkeit  beträgt  sie  nur
etwa  100000.  Man  schätzt  die  Deutschen

in  Queensland  auf  38000  Köpfe  in  Südaustralien  auf  30u000  Köpfe
„  Nru-Süd-Wales  „  10000  „  „  Westaustraulien  „  2000  „
„  Viktoriga  „  15000  „  „  Tasmanien  .,  1000  „

Auf  Neuseeland  kommen  noch  5—6000  hinzu.

Das  Schwergewicht  des  australischen  Deutschtums  liegt  in  der  Landbevölkerung.
  Die  Deutschen  haben  sich  auch  hier  als  tapfere  Pioniere
in  der  Wildnis  erwiesen,  sie  haben  in  weitem  Umfange  den  Boden  urbar
  gemacht,  seinere  Kulturen,  wie  namentlich  den  Weinbau,  ins  Land
gebracht,  wacker  an  der  Begründung  und  Förderung  der  Schaßzucht  sich
beteiligt.  In  den  Städten  sind  die  Deutschen  meist  kleine  Kaufleute  und
Handwerker.  Ein  deutscher  Großkaufmannsstand  hat  sich  angesichts  der
regen  geschäftlichen  Betriebsamkeit  der  Anglo-Australier  nicht  in  erheblichem
  Maße  festzusetzen  vermocht.  Nur  in  Sidney  und  Adelaide  hat
vor  allem  hauseatische  Rührigkeit  einen  Anteil  am  Großhandel  erobert.
An  diesen  beiden  Plätzen  sind  stattliche  deutsche  Klubs  und  starke
deutsche  Vereine  zu  verzeichnen.  In  den  freien  Berufen,  unter  den  Juristen,
  Arzten,  Ingenieuren  ist  die  Zahl  der  Deutschen  gering.  Nur
Pfarrer  und  Lehrer  wirken  emsig  für  die  deutsche  Kirche  und  die  deutsche
Schule.

Die  skizzierte  soziale  Zusammensetzung  erklärt  es,  daß  im  allgemeinen
die  Deutsch-Australier  im  öffentlichen  Leben  nicht  besonders  hervortreten.
Immer  stehen  die  Deutschen  auf  seiten  der  Gemäßigten.  Der  Regierung
bereiten  sie  keine  Schwierigkeiten.  Sie  gehören  zu  den  ruhigsten  und
wertvollsten  Elementen  der  Bevölkerung.  Es  sind  tüchtige  Wirte,  gute
Familienväter,  hilfsbereite  Nachbarn  auch  für  die  Nichtdeutschen.  In
nationaler  Beziehung  gibt  ihnen  die  Kirche  einen  Rückhalt.  Auch  Gesang-,
  Turn=  und  Schützenvereine  versuchen  das  völkische  Zusammengehörigkeitsgefühl
  aufrechtzuerhalten,  und  einige  gut  geleitete  deutsche
Zeitungen  wirken  in  anerkennenswerter  Weise  im  gleichen  Sinne.  Aber
das  deutsche  Schulwesen  liegt  vielfach  im  argen.  In  die  deutsche  Sprache
finden  englische  Bestandteile  Aufnahme,  ähnlich  wie  im  Pennsylvaniadeutsch.
  Das  sind  Ubelstände,  die  von  den  Deutschen  schmerzlichempfunden
werden.  In  Queensland  schicken  die  deutschen  Pächter  der  entlegenen
Farmbezirke  ihre  Kinder  oft  meilenweit  zum  nächsten  Pastor  in  den  Re-