Englische  Siedlungskolonien;  Australien  101

ligionsunterricht.  Damit  wird  dem  allzu  schnellen  Verlöschen  des  deut—
schen  Geistes  unter  ihnen  vorgebeugt.  Jetzt  soll  in  den  Staatsschulen
Religionsunterricht  erteilt  werden,  und  die  dortigen  Deutschen  besorgen,
daß  die  Kinder  bald  nicht  mehr  deutsch  konfirmiert  werden  können.  Nur
in  Südaustralien  steht  es  mit  den  deutschen  Schulen  besser.  Man  zählt
dort  deren  etwa  50,.  allerdings  eigentlich  deutsch-englische  Schulen.  In
der  Tat  ist  für  das  materielle  Fortkommen  die  Kenntnis  der  englischen
Landessprache  unerläßlich.  Von  kundiger  Seite  wird  versichert,  daß  der
Unterricht  in  deutschem  Geist  erteilt  wird.  In  den  Städten  vergrößert
sich  die  Gefahr  der  Verengländerung.  An  einzelnen  Plätzen  gibt  es
deutsche  „Tagesschulen",  wo  einmal  in  der  Woche  deutscher  Unterricht
erteilt  wird.  Nur  wenige  Bemittelte  sehen  sich  in  der  Lage,  ihre  Kinder
in  Deutschland  erziehen  zu  lassen.  Es  fehlt  im  übrigen  in  den  Städten
an  deutschen  Frauen.  Völkische  Verluste  sind  da  schwer  abzuwenden.
Man  begegnet  Dörfern  mit  deutschen  Namen,  in  denen  die  Deutschsprachigen
  aussterben,  und  deutschen  Familiennamen  in  den  Städten,
deren  Träger  ins  Anglo-Australiertum  übergegangen  sind.  Dieoffiziellen
Kreise  bekunden  dem  Deutschtum  gegenüber  rückhaltlose  Anerkennung.
Am  3.  März  1911  feierte  der  größte  und  angesehenste  der  deutschaustralischen
  Vereine  in  Adelaide  sein  25  jähriges  Bestehen.  Bei  dieser
Gelegenheit  sprach  der  Staatsgouverneur,  Sir  Day  Bosangquet,  seine
Sympathie  für  die  deutschen  Kolonisten  aus,  die  so  wertvolle  Bürger
der  australischen  Staaten  seien:

„Wir  haben  alle  Urfache,  den  deutschen  Kolonisten  dankbar  zu  sein,  die
aus  wüstem  Lande  Gartendistrikte  geschaffen  haben,  und  zwar  zu  einer  Zeit,
da  die  Bürger  Großbritanniens  alles  Vertrauen  auf  die  Zulunft  Australiens
verloren  hatten  .  Wir  wünschen  nicht,  ihre  deutsche  Abstammung  verleugnet

zu  sehen,  sondern  wir  möchten  sie  als  Eigenart  von  allergrößtem  Wert  bei
der  Entwickelung  des  australischen  Volkes  einverleibt  sehen.“

Aber  die  Masse  der  anglo-australischen  Bevölkerung  sieht  die  Deutschen
mißgünstig  an  und  sträubt  sich  gegen  weitere  deutsche  Zuwanderung,
zunächst  unter  dem  Gesichtspunkt,  „Lohndrücker“  fernzuhalten.  Seit  dem
Burenkriege  ist  eine  gereizte  Stimmung  hinzugetreten,  die  von  der  inländischen
  Presse  eifrig  gezüchtet  wird.  Mit  gehässig  zugestutzten  Meldungen
  über  das  Deutsche  Reich  und  seine  politischen  Absichten  nährt
man  die  deutschfeindlichen  Empfindungen  Rücksichtslos  wird  für  solche
Zwecke  das  englische  Kabelmonopol  ausgenutzt.  Die  deutsch-australischen
Zeitungen  erlahmen  nicht  in  der  Sisoyphusarbeit,  gegen  Entstellungen
und  Verdächtigungen  anzukämpfen.  Aber  sie  sind  selbst  auf  die  englischen